Die Lage der Gas-Versorgung in Deutschland ist angespannt, aber stabil

Vie­le Jahr­zehn­te lang hat­te Deutsch­land ei­ne zu­ver­läs­si­ge Gas-Ver­sor­gung. Auf­grund der ak­tu­el­len Kri­se in Eu­ro­pa ist die La­ge je­doch an­ge­spannt. Russ­land hat­te sei­ne Gas­-Lie­fe­run­gen nach Deutsch­land ein­ge­stellt. Da­für wur­den z. B. die Gas­lie­fe­run­gen aus Nor­we­gen er­höht. Ins­be­son­dere für die rund 20 Mil­li­o­nen mit Gas be­heiz­ten Woh­nun­gen ist die Ver­sor­gung si­cher­ge­stellt – Pri­vat­haus­hal­te ge­hö­ren gemäß § 53a EnWG zu den ge­schütz­ten Kun­den. Durch den Be­zug aus an­de­ren Län­dern, die fort­schrei­ten­de Di­ver­si­fi­zie­rung der deut­schen Gas­wirt­schaft so­wie den be­schleu­nig­ten Auf­bau ei­ner deut­schen LNG-Im­port-In­fra­struk­tur ist die Gas-Ver­sor­gung vor­erst ge­si­chert.

Verantwortung der Gas-Wirtschaft

Mit gro­ßer Be­stür­zung bli­cken wir auf den rus­si­schen An­griffs­krieg ge­gen die Ukra­i­ne. Die Gas-Wirt­schaft ist sich ih­rer Ver­ant­wor­tung be­wusst und be­fin­det sich im en­gen Aus­tausch mit der Bun­des­re­gie­rung, um die ak­tu­el­le La­ge ent­lang der be­ste­hen­den Vor­sor­ge­plä­ne kon­ti­nu­ier­lich neu zu be­wer­ten.

Nach wie vor wer­den al­le Op­ti­o­nen für die Auf­recht­er­hal­tung der Ver­sor­gungs­si­cher­heit ge­prüft und ent­spre­chen­de Maß­nah­men er­grif­fen. Ak­tu­ell ge­hen wir auf­grund der ge­stie­ge­nen Di­ver­si­tät im Gas-Im­port da­von aus, dass die Lie­fer­ver­pflich­tun­gen wei­ter­hin er­füllt wer­den kön­nen. Zu­dem grei­fen Si­che­rungs­maß­nah­men im Fal­le ei­ner Man­gel­la­ge. Die am 23. Juni 2022 aus­ge­ru­fe­ne Alarm­stu­fe des Not­fall­plans Gas dient der ver­schärf­ten Beo­bach­tung der Gas-Ver­sor­gung, ak­tu­ell be­ste­hen al­ler­dings kei­ne Eng­päs­se. Die ausbleibenden rus­si­schen Gas-Lieferungen wer­den beispielsweise durch den Im­port von Erd­gas an den LNG-Ter­mi­nals in West­eu­ro­pa und inzwischen auch in Deutschland  auf­ge­fan­gen.

Struk­tur des Pri­mär­ener­gie­ver­brauchs in Deutsch­land 2022

Erd­gas stell­te im Jahr 2022 fast 24 Pro­zent der Ener­gie zur Ver­fü­gung, die in Deutsch­land ver­braucht wur­de. Etwa 20 Mil­li­o­nen Woh­nun­gen und 1,8 Mil­li­o­nen Unter­neh­men aus Ge­wer­be und In­dus­trie be­nö­ti­gten den Ener­gie­trä­ger zum Hei­zen oder zur Pro­duk­tion. Wäh­rend in den letz­ten Jah­ren mehr als die Hälf­te des ein­ge­setz­ten Erd­ga­ses aus Russ­land kam, nah­men die rus­si­schen Erd­gas­lie­fe­run­gen 2022 als Fol­ge des rus­si­schen An­griffs­kriegs in der Ukra­i­ne deut­lich ab. Im ver­gan­ge­nen Jahr kam ein Drit­tel des ein­ge­setz­ten Erd­ga­ses aus Nor­we­gen, et­wa 22 Pro­zent aus Russ­land, je­weils et­wa 18 Pro­zent aus Bel­gien und den Nie­der­lan­den und der Rest wur­de aus übri­gen euro­pä­i­schen Län­dern im­por­tiert. Der An­teil der In­lands­för­de­rung am Ver­brauch be­trug 5,4 Pro­zent. Zu­dem flo­ssen be­reits 10 Tera­watt­stun­den re­gi­o­nal er­zeug­tes Bio­gas durch das deut­sche Gas-Netz.

Der rus­si­sche An­griffs­krieg in der Ukra­i­ne und die in der Fol­ge aus­ge­blie­be­nen rus­si­schen Erd­gas­lie­fe­run­gen ha­ben ge­zeigt, wie wich­tig ein di­ver­si­fi­zier­ter Gas­markt ist. Da­für wur­den in Re­kord­ge­schwin­dig­keit noch im Win­ter 2022/­2023 die ers­ten schwim­men­den LNG-Ter­mi­nals in Be­trieb ge­nom­men. Auch in den nächs­ten Jah­ren wird der Aus­bau der deut­schen LNG-Im­port­in­fra­struk­tur wei­ter vo­ran­ge­trie­ben.

Ne­ben der Di­ver­si­fi­zie­rung der Be­zugs­quel­len muss auch die Ent­wick­lung von grü­nem Gas vo­ran­ge­trie­ben wer­den. Da­zu ge­hört ei­ne stär­ke­re Nut­zung von re­gi­o­nal er­zeug­tem Bio­gas, der Hoch­lauf ei­nes deut­schen Was­ser­stoff­markts so­wie der Auf­bau und Aus­bau der Was­ser­stoff­in­fra­struk­tur.

Gas-Importbedarf der EU

Der Importbedarf betrug 2021 ca. 360 Mrd. m3

Quelle: Eurostat NRG_CB_GASM, Importbedarf 2021 vorläufige Schätzung

Diversität im Gas-Import sichert die Versorgung

Deutsch­land und Eu­ro­pa kön­nen auf ei­nen brei­ten Mix an Gas-Lie­fe­ran­ten bauen: Durch die gro­ße Zahl an Be­zugs­quel­len und Be­zugs­we­gen kön­nen mög­liche Eng­päs­se in der Gas-Ver­sor­gung kom­pen­siert wer­den, so­dass die Ver­sor­gung der Ver­brau­cher­in­nen und Ver­brau­cher ge­währ­leis­tet bleibt. Ne­ben dem Trans­port von Erd­gas über das euro­pä­ische Lei­tungs­netz ge­lan­gen ak­tuell grö­ße­re Men­gen Gas in ver­flüs­sig­ter Form (LNG) aus den USA und aus Katar zu uns. Die dor­ti­gen An­ge­bots­men­gen kön­nen kurz­fris­tig aus­ge­wei­tet wer­den.

Die Gas-Bran­che hat­te den Ter­mi­nal­auf­bau in Deutsch­land seit län­ge­rem ge­plant, auf­grund un­zu­rei­chen­der ge­setz­li­cher Rah­men­be­din­gun­gen und unklarer wirtschaftlicher Perspektive je­doch nicht um­set­zen kön­nen. Seit 2022 wur­de der Auf­bau ei­ner LNG-Im­port­-In­fra­struk­tur stark vo­ran­ge­trie­ben, sodass be­reits im De­zem­ber 2022 das ers­te schwim­men­de LNG-Ter­mi­nal (FSRU) in Wil­helms­haven in Be­trieb ge­nom­men wer­den konn­te. Ne­ben den schwim­men­den LNG-Ter­mi­nals sind in Deutsch­land auch drei land­ge­bun­de­ne LNG-Ter­mi­nals ge­plant. Die­se sind ins­be­son­de­re für die lang­fris­ti­ge Ener­gie­ver­sor­gung und die Trans­for­ma­ti­on un­se­res Ener­gie­sys­tems hin zur Kli­ma­neu­tra­li­tät wich­tig. Denn nur sie bie­ten auch ei­ne Lö­sung für was­ser­stoff­ba­sier­te Ener­gie­trä­ger.

Hochkomplexer Gas-Markt

Liberalisierung: Entflechtung von Netz, Vertrieb und Handel

Im Jahr 2005 wur­de der Gas-Markt li­be­ra­li­siert: Die Gas-Netze wur­den für al­le Markt­teil­neh­mer ge­öff­net, Gas-An­bie­ter kau­fen seit­dem ent­spre­chen­de Lei­tungs­ka­pa­zi­tä­ten ein. End­kun­den kön­nen seit die­sem Zeit­punkt Gas bei je­dem be­lie­bi­gen An­bie­ter in Deut­schland be­stel­len. Am vir­tu­el­len Han­dels­punkt (VHP) mel­den Gas-Ver­käu­fer und -Ein­käu­fer täg­lich ihren ge­schätz­ten Be­darf. Der Be­trieb des VHP ob­liegt der Trading Hub Europe GmbH, der Ver­ant­wort­lichen für das ge­samt­deutsche Markt­ge­biet. Auf­ga­be der Markt­ge­biets­ver­ant­wort­lichen ist es, unter an­de­rem für einen Aus­gleich even­tu­el­ler Ab­wei­chungen im Gas-Netz zu sor­gen, die durch un­ter­schied­licher Ein­spei­sung und Aus­spei­sung sonst ent­stehen könn­ten.

Die Märkte bestimmen den Gas-Preis

Be­stimmt wird der Gas-Han­del von An­ge­bots­men­gen und Markt­prei­sen. Gas wird am lang­fris­ti­gen Ter­min- oder am ta­ges­ak­tu­el­len Spot­markt ge­han­delt. Unter­liegt der Ein­kauf da­bei dem Ter­min­markt, hängt der Preis den­noch von den ak­tu­el­len Prei­sen an den euro­pä­ischen Bör­sen ab, denn viele Ver­trä­ge wer­den mit einer Men­gen- und einer Preis­span­ne ge­schlos­sen: Steigt der Bör­sen­preis, ver­dient der Gas-Ex­por­teur mehr, wenn der Bör­sen­preis sinkt, we­ni­ger. Der Ein­kauf am Ter­min­markt er­mög­licht die Gas-Lie­fe­rungen zu einem spä­te­ren Zeit­punkt.

Über­schüs­si­ge Gas-Men­gen kön­nen di­rekt an der Bör­se oder bi­la­te­ral über den OTC-Han­del (over the counter), am Spot-Markt, ta­ges­ak­tu­ell ge­han­delt wer­den, um kurz­fris­ti­ge Nach­fra­gen zu be­dienen. Der Spot-Markt-Preis schwank­te auf­grund eines star­ken Un­gleich­ge­wichts von An­ge­bot und Nach­frage in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten stark.  

Zum Ein­kauf über den vir­tu­el­len Han­dels­punkt gibt es auch die klas­sischen Ver­trags­ver­hand­lungen, in denen fest­ge­legt wird, ob zu lie­fern­de Gas-Men­gen über den Lie­fer­zeit­raum einen kon­stan­ten Preis auf­wei­sen oder an einen be­stimm­ten In­dex ge­kop­pelt sind.  

Auf­grund der ho­hen Preis­trans­pa­renz durch die Bör­se so­wie den kom­bi­nier­ten Ein­kaufs­stra­te­gien konn­te Deutsch­land in der Ver­gan­gen­heit stets von sta­bil güns­ti­gen Gas-Prei­sen pro­fi­tieren.

Aufbau einer strategischen Gas-Reserve: Gas-Speichergesetz

Die Gas-Spei­cher spie­len für die deut­sche und eu­ro­pä­ische Erd­gas-Ver­sor­gung so­wie für die Er­rei­chung der Kli­ma­zie­le ei­ne zen­tra­le Rol­le. Deutsch­land ver­fügt über die größ­ten Gas-Spei­cher­ka­pa­zi­tä­ten in der EU. Bis­her dient die Spei­cher­nut­zung der Struk­tu­rie­rung der Gas-Men­gen, der Ab­si­che­rung ge­gen z. B. Preis­schwan­kun­gen so­wie dem eu­ro­pä­ischen Gas-Han­del.

Am 30. April 2022 ist in Deutsch­land das Gas-Spei­cher­ge­setz in Kraft getreten. In die­sem werden die Über­wa­chung und Durch­set­zung der Spei­cher­be­fül­lung so­wie die Füll­stands­vor­ga­ben fest­ge­legt. Die ursprünglichen Vorgaben wurden per Verordnung mit Wirkung vom 28. Juli 2022 noch einmal verschärft:

  • am 1. September: Spei­cher zu 75 Pro­zent ge­füllt
  • am 1. Oktober: Speicher zu 85 Prozent gefüllt
  • am 1. No­vem­ber: Spei­cher zu 95 Pro­zent ge­füllt
  • am 1. Fe­bru­ar: Spei­cher zu 40 Pro­zent ge­füllt

Be­trei­ber von Gas-Spei­chern ha­ben außerdem ei­nen Nach­weis über die Ein­hal­tung die­ser Vor­ga­ben zu er­brin­gen. Ne­ben den Füll­stands­vor­ga­ben sol­len Spei­cher­be­trei­ber von ihnen ge­buch­te, je­doch nicht ge­nutz­te Ka­pa­zi­tä­ten dem Markt­ge­biets­ver­ant­wort­li­chen, der Trading Hub Europe GmbH, zur Ver­fü­gung stel­len. Der "use-it-or-lose-it"-Me­cha­nis­mus soll si­cher­stel­len, dass ei­ne Be­fül­lung al­ler ver­füg­ba­ren Ka­pa­zi­tä­ten er­mög­licht wird.

Gas-Speicherstand in
Deutschland

Die Daten umfassen den Großteil der Gasspeicher in Deutschland. Datenquelle: GIE AGSI

Gesamtkapazität
Aktueller Füllstand
Vergleich zum Vortag

Gas-Verbrauch in
Deutschland

Aggregierte Verbrauchsdaten für SLP- und RLM-Kunden (vorläufig) im Trading Hub Europe-Marktgebiet. Datenquelle: Trading Hub Europe.

Höchster Wert 2022
Niedrigster Wert 2022
Vergleich zu 7-Tage

Sicherstellung der Versorgung mit Erdgas

Krisenvorsorge Gas

Mit dem Ener­gie­wirt­schafts­ge­setz (EnWG) sind Gas-Netz­be­trei­ber ver­pflich­tet, vor­ge­schrie­bene Maß­nah­men zur Ge­währ­leis­tung einer si­che­ren Ver­sor­gung mit Gas zu er­grei­fen. Im Fal­le einer Ver­sor­gungs­un­ter­bre­chung ist die Be­lie­fe­rung der so­ge­nann­ten ge­schütz­ten Kun­den so lan­ge auf­recht zu hal­ten, wie die Ver­sor­gung wirt­schaft­lich zu­mut­bar ist. Die Wahl von Be­schaf­fungs­we­gen und Lie­fer­quel­len ist da­bei frei.

Stufe des Notfallplans Gas Was bedeutet die Stufe? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Welche Konsequenzen hat die Stufe?
Frühwarnstufe: Feststellung durch eine Presseerklärung des BMWK Es liegen konkrete Hinweise vor, dass sich die Gas-Versorgung verschlechtern kann. Die Versorgung ist jedoch gesichert. Ausbleiben von Gas-Strömen an wichtigen Grenzübergangspunkten; technischer Ausfall wesentlicher Infrastruktur; Extreme Wetterverhältnisse bei gleichzeitig hoher Nachfrage; Risiko einer langfristigen Unterversorgung Europäische Binnenmarktregeln gelten weiter uneingeschränkt; Gas-Unternehmen stellen die Versorgung gemäß § 53a EnWG sicher; Netzbetreiber setzen netz- und marktbezogene Maßnahmen gemäß § 16 und § 16a EnEG, Anlage II des SoS-VO und Kapitel 7 des Notfallplans ein; tägliche Lageeinschätzung der Fernleitungsnetzbetreiber an das BMWK; Verpflichtung der Marktteilnehmer zur umfassenden Unterstützung des BMWK bei der Lagebewertung sowie Mitwirkung im Krisenteam
Alarmstufe: Feststellung durch eine Presseerklärung des BMWK Es liegt eine Störung der Gas-Versorgung oder eine gesteigerte Nachfrage nach Gas vor, die zu einer deutlichen Verschlechterung der Versorgungslage führen kann. Die Versorgung ist weiterhin gesichert. Ausbleiben von Gas-Strömen an wichtigen Grenzübergangspunkten; technischer Ausfall wesentlicher Infrastruktur; Extreme Wetterverhältnisse bei gleichzeitig hoher Nachfrage; Risiko einer langfristigen Unterversorgung Europäische Binnenmarktregeln gelten weiter uneingeschränkt; Gas-Unternehmen stellen die Versorgung gemäß § 53a EnWG sicher; Netzbetreiber setzen netz- und marktbezogene Maßnahmen gemäß § 16 und § 16a EnEG, Anlage II des SoS-VO und Kapitel 7 des Notfallplans ein; tägliche Lageeinschätzung der Fernleitungsnetzbetreiber an das BMWK; Verpflichtung der Marktteilnehmer zur umfassenden Unterstützung des BMWK bei der Lagebewertung sowie Mitwirkung im Krisenteam
Notfallstufe: Feststellung durch Verordnung der Bundesregierung und Kundmachung im Bundesgesetzblatt Es liegt eine außergewöhnlich hohe Gas-Nachfrage, eine erhebliche Versorgungsstörung oder anderweitige extreme Verschlechterungen der gesicherten Versorgung vor. Die Gas-Versorgung reicht nicht mehr aus, um die Nachfrage zu decken. Der Staat greift ein. Ausfall wesentlicher Infrastrutkur ohne Möglichkeit einer schnellen Alternativversorgung; massive langfristige Lieferausfälle sind zu erwarten ohne ausreichende Möglichkeit einer Alternativversorgung; marktbasierte Maßnahmen zur Sicherstellung der Versorgung sind nicht mehr verfügbar oder zeigen keine ausreichende Wirkung; Versorgungssicherheit der geschützten Kunden ist gefährdet Gas-Unternehmen stellen die Versorgung so lange wie möglich sicher; Netzbetreiber setzen netz- und marktbezogene Maßnahmen des Notfallplans ein; hoheitliche Maßnahmen stehen für den benannten Lastverteiler zur Verfügung; mindestens tägliche Lageeinschätzung durch die Fernleitungsnetzbetreiber an das BMWK; Verpflichtung der Marktteilnehmer zur umfassenden Unterstzützung des BMWK bei der Lagebewertung sowie Mitwirkung im Krisenteam

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Kli­ma­schutz hat am 23. Juni 2022 die Alarm­stu­fe des Not­fall­plans Gas aus­ge­ru­fen, da die Lie­fe­run­gen von Gas aus Russ­land ab dem 14. Juni 2022 deut­lich ge­dros­selt wur­den. Seit September 2022 liefert Russland kein Gas mehr nach Deutschland. Die Alarm­stu­fe wur­de in Deutsch­land zu­vor noch nie aus­ge­ru­fen.

Die Alarm­stu­fe ist die zwei­te von ins­ge­samt drei Stu­fen des Not­fall­plans Gas. Sie tritt ein, wenn "ei­ne Stö­rung der Gas­ver­sor­gung oder ei­ne au­ßer­ge­wöhn­lich ho­he Nach­fra­ge nach Gas vor­liegt, die zu ei­ner er­heb­li­chen Ver­schlech­te­rung der Gas­ver­sor­gungs­grund­la­ge führt – der Markt ist aber noch in der La­ge, die­se Stö­rung oder Nach­fra­ge zu be­wäl­ti­gen, oh­ne dass nicht markt­ba­sier­te Maß­nah­men er­grif­fen wer­den müs­sen" (Quel­le: Not­fall­plan Gas). Der Ener­gie­markt steht ak­tu­ell un­ter staat­li­cher Über­wa­chung, es er­folgt je­doch kein Ein­griff.

Für die Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher än­dert sich erst­mal nichts. Die Alarm­stu­fe ist al­ler­dings ein sehr deut­li­ches Sig­nal zum Ener­gie­spa­ren, um ei­ne Man­gel­la­ge zu ver­hin­dern. Je­de Ki­lo­watt­stun­de, die jetzt im Som­mer ge­spart wer­den kann, steht im Win­ter zur Ver­fü­gung. Die Auf­for­de­rung zum Ener­gie­spa­ren gilt für Pri­vat­haus­hal­te eben­so wie für Ge­wer­be- und In­dus­trie­kun­den als größ­ten Gas­ver­brau­cher.

Auch wenn die Ver­sor­gungs­si­cher­heit in Deutsch­land wei­ter­hin ge­währ­leis­tet ist, ist die La­ge an­ge­spannt. Denn auch an­ge­sichts der Lieferkürzungen bzw. ausbleibender Lieferungen müs­sen die Gas-Spei­cher für den Win­ter aus­rei­chend ge­füllt wer­den kön­nen. In der Alarm­stu­fe wird das Mo­ni­to­ring der Gas-Ein­spei­sung und der Gas-Aus­spei­sung er­höht.

Um die Ver­sor­gungs­si­cher­heit zu ge­währ­leis­ten, wird je­de Gas-Ent­nah­me (Aus­spei­che­rung) durch ei­ne Gas-Ein­spei­sung (Ein­spei­che­rung) aus­ge­gli­chen. Sind die Spei­cher je­doch nicht aus­rei­chend ge­füllt, kann es zu ei­ner so­ge­nann­ten Gas-Un­ter­de­ckung kom­men, in­so­fern der Gas-Ver­brauch nicht re­du­ziert wird. Ent­spricht die ein­ge­spei­cher­te Men­ge län­ger­fris­tig nicht der Aus­spei­cher­men­ge, ent­steht ei­ne Gas-Man­gel­la­ge.

Wenn es zu ei­ner Gas-Man­gel­la­ge kommt, grei­fen die ge­setz­li­chen Grund­la­gen ge­mäß § 16 Abs. 1 und 2 EnWG, ge­mäß de­rer Gas-Netz­be­trei­ber be­rech­tigt und ver­pflich­tet sind, Maß­nah­men zur Be­sei­ti­gung der Stö­rung zu er­grei­fen. Da­für ist ein stu­fen­wei­ses Vor­gehen vor­ge­schrie­ben, wel­ches die fol­gen­den Maß­nah­men um­fas­sen kann:

  • Netz­um­schal­tun­gen
  • Men­gen­ver­la­ge­run­gen
  • Un­ter­bre­chung ver­trag­lich un­ter­brech­ba­rer Lie­fe­run­gen
  • Kür­zung von nicht ge­schütz­ten Letzt­ver­brau­chern (ins­be­son­de­re Kun­den mit einer re­gis­trier­ten Leis­tungs­mes­sung, so­ge­nann­te RLM-Kun­den)
  • Kür­zung von sys­tem­re­le­van­ten Gas-Kraft­wer­ken
  • Kür­zung von ge­schütz­ten Letzt­ver­brau­chern

Die oben auf­ge­führ­ten Maß­nah­men ste­hen in kei­ner fest­ge­leg­ten Rei­hen­fol­ge. Nicht ge­schütz­te Kun­den wer­den über even­tu­el­le Last­ab­schal­tun­gen recht­zei­tig von ih­rem Gas-Netz­be­trei­ber in­for­miert.

In Si­tu­a­tion wie z. B. in einer Gas-Man­gel­la­ge ist es grund­sätz­lich das Ziel, al­le Kun­den­grup­pen mög­lichst lan­ge wei­ter zu ver­sor­gen. Die Be­lie­fe­rung be­stimm­ter Kun­den­grup­pen hat vor der Ver­sor­gung an­derer Ver­brau­cher je­doch Vor­rang. Sie wer­den als ge­schütz­te Kun­den be­zei­chnet.

Der Kreis der ge­schütz­ten Kun­den ist im EnWG fest­ge­legt.

  • Letzt­ver­brau­cher, die die ge­lie­fer­te Ener­gie über­wie­gend selbst im Haus­halt ver­brau­chen
  • Klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men, deren Ver­brauch über stan­dar­di­sier­te Last­pro­fi­le ge­mes­sen wird (SLP-Kun­den)
  • Grundlegende soziale Dienste wie Kitas, Schulen, Hochschulen, Kran­ken­häu­ser, Pfle­ge­ein­rich­tungen und wei­te­re sta­ti­o­nä­re so­ziale Ein­rich­tungen im Sin­ne des Ar­ti­kel 2 Nr. 4 der EU-Ver­ord­nung 2017/1938 des Euro­päischen Par­la­ments  
  • z. B. Po­li­zei, Feuer­wehr und Technisches Hilfswerk
  • Strom- und Wasserversorger, Abwasserentsorger
  • Fern­wär­me­an­la­gen, die zur Wär­me­lie­fe­rung von oben­ste­hen­den ge­schütz­ten Kun­den ver­wen­det wer­den und kei­nen Brenn­stoff­wech­sel vor­neh­men kön­nen
  • Letztverbraucher im Gasnetz, die z. B. Blockheizkraftwerke im Quartier betreiben und auf Erdgas zum Betrieb der Wärmeerzeugungsanlage angewiesen sind

Geschützte und nicht geschützte Kunden können einen lebenswichtigen Bedarf an Gas haben, der Anteil ist allerdings bei geschützen Kunden im Allgemeinen deutlich höher.

Im Falle eine Gas-Mangellage werden geschütze Kunden zur Einsparung ihres Komfort-Anteils beim Gasbezug aufgefordert. Dies bedeutet z. B. auf die Beheizung von Privatpools oder Saunen zu verzichten oder die Abenskung der Raumtemperatur in öffentlichen Gebäuden.

Der Gas-Bezug für die Produktion lebenswichtiger Medikamente, die nicht über Importe abgedeckt werden können, wird wiederum als lebenswichtiger Bedarf an Gas bei nicht geschützten Kunden anerkannt.

Die Bun­des­re­gie­rung hat am 29. Sep­tem­ber 2022 die be­reits be­schlos­se­ne Gas-Um­la­ge zu­rück­ge­zo­gen und sich gleich­zei­tig für die Schaf­fung ei­ner Strom- und Gas-Preis­brem­se aus­ge­spro­chen. Am 24. Dezember sind die entsprechenden Gesetze in Kraft getreten.

Strom-Preis­brem­se: Ab Ja­nu­ar 2023 ist für pri­va­te Ver­brau­cher:in­nen und klei­ne Un­ter­neh­men für den Ba­sis­be­darf von 80 Pro­zent des Vor­jah­res­ver­brauchs der Strom­preis bei 40 ct/kWh ge­de­ckelt. Bei In­dus­trie­kun­den liegt die De­cke­lung bei 13 ct/kWh für 70 Pro­zent ih­res his­to­ri­schen Ver­brauchs.

Gas-Preis­brem­se: Die Gas-Preis­brem­se besteht aus zwei Stu­fen: Im De­zem­ber 2022 wurde mit der Gas-So­fort­hil­fe ei­ne ein­ma­li­ge fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung ge­leis­tet. Ab März 2023 wird rückwirkend zum 1. Januar 2023 für SLP-Kun­den und Ver­ei­ne der Gas-Preis bei 12 ct/kWh ge­de­ckelt. Auch hier gilt der ge­de­ckel­te Preis für 80 Pro­zent des Vor­jah­res­ver­brauchs. Für In­dus­trie­kun­den liegt der Gas-Preis bei 7 ct/kWh, der Fernwärmepreis wird auf 9,5 ct/kWh gedeckelt.

Die Strom- und Gas-Preisbremsen gelten für das gesamten Jahr 2023, eine Verlängerung bis April 2024 ist möglich.

Das Ener­gie­si­che­rungs­ge­setz (EnSiG) trat 1975 in Kraft und ist das Ge­setz zur Si­che­rung der Ener­gie­ver­sor­gung. Es sieht Vor­schrif­ten für den Fall vor, dass die Ener­gie­ver­sor­gung un­mit­tel­bar ge­fähr­det oder ge­stört und die Ge­fähr­dung oder Stö­rung der Ener­gie­ver­sor­gung durch markt­ge­rech­te Maß­nah­men nicht, nicht recht­zei­tig oder nur mit un­ver­hält­nis­mä­ßi­gen Mit­teln zu be­he­ben ist – mit dem Ziel: Die De­ckung des le­bens­wich­ti­gen Be­darfs an Ener­gie in die­sen Fäl­len zu si­chern.

No­vel­le des Ener­gie­si­che­rungs­ge­set­zes

Am 22. Mai 2022 trat die Reform des EnSiG in Kraft. Mit der No­vel­le will die Bun­des­re­gie­rung vor dem Hin­ter­grund des Krie­ges in der Ukraine die Rah­men­be­din­gun­gen für die Ener­gie­ver­sor­gungs­si­cher­heit ver­bes­sern.

So sol­len Ener­gie­ver­sor­ger:in­nen zeit­lich be­schränkt auf ei­ne fest­ge­stell­te Gas­man­gel­la­ge ih­re Prei­se auf dem Ni­veau der Er­satz­be­schaf­fung er­hö­hen dür­fen, wenn sie im Fal­le ver­min­der­ter Gas­lie­fe­run­gen ver­trag­lich ge­si­cher­te Men­gen am Markt be­sor­gen müs­sen. Ist die Gas­man­gel­la­ge über­wun­den, müs­sen die Ener­gie­ver­sor­ger:in­nen die Prei­se wie­der auf ein an­ge­mes­se­nes Ni­veau rück­an­pas­sen. Kun­den ha­ben wäh­rend der er­höh­ten Preis­pha­sen al­le zwei Mo­na­te ein An­recht da­rauf, die Über­prü­fung der Not­wen­dig­keit zu ver­lan­gen. Zu­dem wird ein staat­li­ches Preis­an­pas­sungs­mo­ni­to­ring durch­ge­führt, um sol­che Preis­an­pas­sun­gen eva­lu­ie­ren zu kön­nen.

Das Ge­setz stärkt zu­dem Re­geln, nach de­nen sich EU-Staa­ten bei Gas­ver­sor­gungs­eng­päs­sen aus­hel­fen. Auch Preis­ein­grif­fe des Staa­tes sind im Fal­le von aus­blei­ben­den Lie­fe­run­gen vor­ge­se­hen, um Si­tu­a­ti­o­nen vor­zu­beu­gen, in de­nen Lie­fer­aus­fäl­le da­zu füh­ren, dass sich Im­por­teure teuer am Markt ein­de­cken müs­sen, um Ver­pflich­tun­gen ein­zu­hal­ten, die­se Kos­ten aber aus ver­trag­li­chen Grün­den nicht wei­ter­ge­ben kön­nen. Die Norm soll groß­flä­chi­ge In­sol­ven­zen ver­hin­dern und nur gel­ten, wenn tat­säch­lich Lie­fe­run­gen im gro­ßen Stil aus­fal­len. 

Neu ist auch, dass es dem Bund er­mög­licht wer­den soll, Un­ter­neh­men, die ih­rem Ver­sor­gungs­auf­trag nicht nach­kom­men, un­ter Treu­hän­der­schaft zu stel­len und im Aus­nah­me­fall so­gar zu ent­eig­nen. Der Bun­des­tag soll bei ei­ner Ent­eig­nung ein­ge­bun­den wer­den und muss in­ner­halb von drei Sit­zungs­wo­chen zu­stim­men. Tut er das nicht, gilt die Zu­stim­mung als er­teilt.

Die Kurz­frist­ener­gie­ver­sor­gungs­si­che­rungs­maß­nah­men­ver­ord­nung – EnSikuMaV – re­gelt kurz­fris­tig um­zu­set­zen­de und be­fris­te­te Ener­gie­ein­spar­maß­nah­men im Ge­bäu­de­be­reich (Wohn­räu­me, Schwimm- oder Ba­de­be­cken, Nicht­wohn­ge­bäu­de und Bau­denk­mä­ler so­wie für Un­ter­neh­men) zur Stär­kung der Vor­sor­ge, um den Ein­tritt ei­ner Not­fall­si­tu­a­ti­on in die­sem und im nächs­ten Win­ter zu ver­mei­den. Die EnSikuMaV gilt für ei­nen Zeit­raum von sechs Mo­na­ten vom 1. Sep­tem­ber 2022 bis zum 28. Fe­bru­ar 2023. Gleich­zei­tig wird die Ver­ord­nung über mit­tel­fris­tig wirk­sa­me Ef­fi­zienz- und Ener­gie­ein­spar­maß­nah­men – EnSimiMaV – er­las­sen, die ab dem 1. Ok­to­ber 2022 über zwei Jah­re gilt. Bei­de Ver­ord­nun­gen bil­den ne­ben der Be­fül­lung der Gas­spei­cher und der Sen­kung des Erd­gas­ver­brauchs in der Strom­er­zeu­gung die drit­te Säu­le des Ener­gie­si­che­rungs­pa­kets und sol­len in den kom­men­den bei­den Jah­ren Ener­gie­kos­ten­ein­spa­run­gen bei pri­va­ten Haus­hal­ten, Un­ter­neh­men und der öf­fent­li­chen Hand in Hö­he von 10,8 Mil­li­ar­den Euro be­wir­ken. Die Ver­ord­nun­gen ba­sie­ren auf § 30 Ab­satz 1 des Ener­gie­si­che­rungs­ge­set­zes.

Die EnSikuMaV for­dert Mie­ten­de da­zu auf: 

  • die Heiz­tem­pe­ra­tur zu sen­ken (oh­ne da­bei Schä­den an der Miet­sa­che zu ver­ur­sa­chen)
  • auf die Be­hei­zung von pri­va­ten, nicht­ge­werb­li­chen, in­nen- oder au­ßen­lie­gen­den Schwimm- und Ba­de­be­cken ein­schließ­lich Auf­stell­be­cken mit Gas oder mit Strom aus dem Strom­netz zu ver­zich­ten (Aus­nah­me zwin­gend not­wen­di­ge the­ra­peu­ti­sche An­wen­dun­gen)

Für öf­fent­li­che Nicht­wohn­ge­bäu­de gel­ten fol­gen­de Maß­nah­men:

  • Ver­bot der Be­hei­zung von Ge­mein­schafts­flä­chen
  • Höchst­wer­te für die Luft­tem­pe­ra­tur in Ar­beits­räu­men 
  • Ein­schrän­kun­gen für den Be­trieb von Trink­was­ser­er­wär­mungs­an­la­gen
  • Ein­schrän­kun­gen für die Be­leuch­tung von Ge­bäu­den und Bau­denk­mä­lern

Un­ter­neh­men wer­den da­zu ver­pflich­tet:

  • In­for­ma­ti­ons­pflicht über Preis­stei­ge­run­gen für Ver­sor­ger und für Ei­gen­tü­mer von Wohn­ge­bäu­den
  • Vor­schrif­ten zur Nut­zung von La­den­tü­ren und Ein­gangs­sys­te­me im Ein­zel­han­del
  • Nut­zungs­ein­schrän­kung be­leuch­te­ter Wer­be­an­la­gen
  • Min­dest­wer­te der Luft­tem­pe­ra­tur für Ar­beits­räu­me in Ar­beits­stät­ten

Die EnSimiMaV verpflichtet Gebäudeeigentümer:innen mit Gas-Heizungen dazu: 

Bei der Ener­gie­ein­spa­rung han­delt es sich um ei­ne Ge­mein­schafts­auf­ga­be von Po­li­tik, Un­ter­neh­men so­wie Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­chern. Je­de ein­ge­spar­te Ki­lo­watt­stun­de hilft ein Stück weit aus der Ab­hän­gig­keit von rus­si­schen Gas­lie­fe­run­gen he­raus.

Notfallplan Gas

Informationen für Gewerbe- und Industriekunden

Mit dem In­kraft­tre­ten der zwei­ten Stu­fe des Not­fall­plans Gas sind al­le Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, aber auch das Ge­wer­be und die In­dus­trie auf­ge­ru­fen, Ener­gie zu spa­ren. Je mehr Gas im Som­mer ein­ge­spart wird, des­to mehr kön­nen die Spei­cher be­füllt wer­den. Ak­tu­ell wird die Ver­sor­gungs­la­ge per­ma­nent ana­ly­siert und be­wer­tet. Dies ge­schieht un­ter der Ägi­de der Bun­des­netz­agen­tur (BNetzA). Be­reits in der Alarm­stu­fe kön­nen Maß­nah­men wie die Op­ti­mie­rung von Last­flüs­sen oder auch die Kür­zung oder Un­ter­bre­chung der Lie­fe­rung bei so­ge­nann­ten Ab­schalt­kun­den er­fol­gen.

Im Fal­le ei­ner Gas-Man­gel­la­ge bzw. der Not­fall­stu­fe wird die BNetzA zum Bun­des­last­ver­tei­ler. D. h., sie über­nimmt in en­ger Ab­stim­mung mit den Fern­lei­tungs­netz­be­trei­bern (FNB) in der Kri­se die Be­schaf­fung, Ver­tei­lung und Zu­tei­lung der Gas­men­ge. For­mal muss da­für die letz­te Stu­fe des Not­fall­plans Gas in Deutsch­land aus­ge­ru­fen wer­den. Der Bun­des­last­ver­tei­ler wird nach dem Ener­gie­si­che­rungs­ge­setz (EnSiG) ak­tiv, wenn die Not­fall­stu­fe ge­mäß der Ver­ord­nung (EU) 2017/1938 über Maß­nah­men zur Ge­währ­leis­tung der si­che­ren Gas­ver­sor­gung (sog. SoS-VO) und dem Not­fall­plan Gas von der Bun­des­re­gie­rung aus­ge­ru­fen wird. Ziel ist es, so­ge­nann­te Eng­pass­zo­nen auf­zu­lö­sen. Sind Kür­zun­gen nicht zu ver­mei­den, wer­den die­se grund­sätz­lich in die­ser Rei­hen­fol­ge vor­ge­nom­men:

  1. Nicht ge­schütz­te Kun­den
  2. Sys­tem­re­le­van­te Gas-Kraft­wer­ke
  3. Ge­schütz­te Kun­den


Eu­ro­pä­i­scher Gas-Not­fall­plan

Auch auf eu­ro­pä­i­scher Ebe­ne trat am 9. August 2022 ein ge­mein­sa­mer eu­ro­pä­i­scher Gas-Not­fall­plan in Kraft. Dem­nach sol­len al­le EU-Län­der ih­ren Gas­ver­brauch im Zeit­raum vom 1. Au­gust 2022 bis zum 31. März 2023 um min­des­tens 15 Pro­zent ge­gen­über dem Durch­schnitts­ver­brauch der letz­ten fünf Jah­re sen­ken. Soll­te nicht ge­nug ein­ge­spart wer­den und ein er­heb­li­ches Ri­si­ko ei­nes gra­vie­ren­den Eng­pas­ses bei der Gas­ver­sor­gung be­ste­hen oder es zu ei­ner au­ßer­ge­wöhn­lich ho­hen Nach­fra­ge nach Gas kom­men, kann ein EU-wei­ter Unions­alarm aus­ge­ru­fen wer­den, der zu ei­ner ver­pflich­ten­den Nach­fra­ge­sen­kung führt. Vo­raus­set­zung da­für ist die Zu­stim­mung von min­des­tens 15 EU-Län­dern, die zu­sam­men min­des­tens 65 Pro­zent der Ge­samt­be­völ­ke­rung der Union aus­ma­chen.
 
So­lan­ge der Unions­alarm aus­ge­ru­fen ist, muss der Gas­ver­brauch in je­dem Mit­glied­staat in dem Zeit­raum vom 1. Au­gust 2022 bis zum 31. März 2023 um 15 Pro­zent nie­dri­ger sein als der Re­fe­renz­gas­ver­brauch. Al­le Nach­fra­ge­sen­kun­gen, die die Mit­glied­staa­ten wäh­rend des Zeit­raums vor der Aus­ru­fung des Uni­ons­alarms er­reicht ha­ben, wer­den für die Zwe­cke der ver­pflich­ten­den Nach­fra­ge­sen­kung be­rück­sich­tigt.
 
Nach Zah­len der EU-Kom­mis­si­on müss­ten ins­ge­samt et­wa 45 Mil­li­ar­den Ku­bik­me­ter Gas ge­spart wer­den. Da­bei müss­te Deutsch­land rund 10 Mil­li­ar­den Ku­bik­me­ter Gas we­ni­ger ver­brau­chen, um das 15-Pro­zent-Ziel zu er­rei­chen.

Viele Maßnahmen gewährleisten eine sichere Gasversorgung

Um die De­ckung des le­bens­wich­ti­gen Be­darfs zu si­chern, kann die BNetzA im Rah­men der Not­fall­stu­fe Vor­ga­ben über Zu­tei­lung, Be­zug und Ver­wen­dung von Gas, zu Kür­zung des Ver­brauchs, zur Sub­sti­tu­ie­rung von Erd­gas durch an­de­re Ener­gie­trä­ger und zur Ab­schal­tung von In­dus­trie­kun­den tref­fen.

Im Jahr 2022 hat die Bun­des­netz­agen­tur die er­for­der­li­chen Vor­be­rei­tun­gen für ih­re Rol­le als Bun­des­last­ver­tei­ler ge­trof­fen. Ge­mein­sam mit der In­dus­trie und der Ener­gie­wirt­schaft ent­wi­ckelt sie wei­te­re Not­fall­maß­nah­men für den Fall ei­ner Gas­man­gel­la­ge. Es gibt be­reits In­stru­men­te für die Re­du­zie­rung des in­dus­tri­el­len Gas-Ver­brauchs, die jetzt sinn­voll aus­ge­wei­tet und er­gänzt wer­den.

Der Bun­des­last­ver­tei­ler stellt die im über­re­gi­o­na­len öf­fent­li­chen In­te­res­se lie­gen­de Ver­sor­gung si­cher, führt ei­nen Aus­gleich der elek­tri­zi­täts- und gas­wirt­schaft­li­chen Be­dürf­nis­se und In­te­res­sen der Län­der her­bei oder re­gelt den Ein­satz von un­ter­ir­di­schen Gas­spei­chern und sons­ti­gen Gas­ver­sor­gungs­an­la­gen mit über­re­gi­o­na­ler Be­deu­tung (§ 4 Abs. 3 EnSiG).

Dies be­trifft ins­be­son­de­re die Ver­sor­gung der pri­vi­le­gier­te Kun­den­grup­pe (§ 53a EnWG), die nach EU- und na­ti­o­na­lem Recht ei­nen be­son­de­ren Schutz ge­nie­ßen.

Um die­ser Auf­ga­be ent­spre­chend nach­zu­kom­men, wird ei­ne um­fang­rei­che Da­ten­ba­sis ge­schaf­fen: die Si­cher­heits­platt­form Gas. Hier­zu er­folgte ei­ne mehr­stu­fi­ge Da­ten­er­he­bung:

  • Da­ten­ab­fra­ge bei den Gas­netz­be­trei­bern bis 28. April 2022
  • Da­ten­ab­fra­ge bei den deut­schen Gas­ver­brau­chern ab ei­ner Grö­ße von 10 MWh/h tech­ni­scher An­schluss­ka­pa­zi­tät im Mai 2022
  • fi­na­le In­be­trieb­nah­me der Si­cher­heits­platt­form Gas am 1. Ok­to­ber 2022 

Aus den Ab­fra­ge­er­geb­nis­sen wird kei­ne fes­te Ab­schalt­rei­hen­fol­ge ab­ge­lei­tet. Die Er­geb­nis­se er­mög­li­chen der Bun­des­netz­agen­tur, die Fol­gen von Maß­nah­men für die be­trof­fe­nen Letzt­ver­brau­cher und die Ge­sell­schaft best­mög­lich ein­schät­zen zu kön­nen und ein ef­fi­zien­tes Ma­na­ge­ment im Kri­sen­fall.

(Quelle: Bun­des­netz­agen­tur)

Die Bun­des­netz­agen­tur hat ei­nen Kri­te­rien­ka­ta­log un­ter der Über­schrift "Ab­wä­gungs­ent­schei­dung" ent­wi­ckelt, der in ei­ner Gas­not­la­ge da­bei un­ter­stüt­zen soll, ei­ne Ent­schei­dung leich­ter da­rü­ber zu tref­fen, in wel­cher Rei­hen­fol­ge Un­ter­neh­men von der Gas­ver­sor­gung ge­trennt wer­den könn­ten. Da­bei pri­o­ri­siert die Bun­des­netz­agen­tur Ab­schal­tun­gen, die gro­ße Ein­spar­ef­fek­te bei kur­zen Vor­lauf­zei­ten, mög­lichst ge­rin­gen Schä­den und ge­rin­gen Ein­schrän­kun­gen der Ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung ha­ben:

  • die "Dring­lich­keit der Maß­nah­me, ins­be­son­de­re in Ab­hän­gig­keit der Aus­prä­gung der Gas­man­gel­si­tu­a­ti­on"
  • die "Grö­ße der An­la­ge und de­ren Gas­be­zug und so­mit die Wir­kung ei­ner Gas­ver­sor­gungs­re­duk­ti­on"
  • die er­for­der­li­che "Vor­lauf­zeit zur Gas­be­zugs­re­duk­ti­on be­zie­hungs­wei­se ei­nes ge­ord­ne­ten He­run­ter­fah­rens der Pro­duk­ti­ons­an­la­gen"
  • die "zu er­war­ten­den volks- und be­triebs­wirt­schaft­li­chen Schä­den"
  • die "Kos­ten und Dauer der Wie­der­in­be­trieb­nah­me nach ei­ner Gas­ver­sor­gungs­re­duk­ti­on"
  • die "Be­deu­tung für die Ver­sor­gung der All­ge­mein­heit"

Die Bun­des­netz­agen­tur muss im Fal­le, dass ei­ne Gas­not­la­ge ein­trifft und so­mit die drit­te Stu­fe des Not­fall­plans Gas aus­ge­ru­fen wer­den wür­de, da­mit be­gin­nen, Gas an­hand des Aus­ma­ßes der vor­lie­gen­den Gas­man­gel­la­ge zu­zu­tei­len, um v. a. die Gas­ver­sor­gung der ge­schütz­ten Kun­den auf­recht­zu­er­hal­ten.

In­dus­trie- und Ge­wer­be­kun­den, ins­be­son­de­re Ver­brau­cher mit re­gis­trier­ter Leis­tungs­mes­sung (RLM-Kun­den) kön­nen als ers­tes von Last­ab­schal­tun­gen be­trof­fen sein. Da­rü­ber wer­den sie un­ver­züg­lich von ih­rem Netz­be­trei­ber in­for­miert – per E-Mail oder Fax gilt als aus­rei­chend. In­so­fern es tat­säch­lich zu ei­ner Gas-Kür­zung kom­men soll­te, wird der Netz­be­trei­ber schrift­lich da­zu auf­for­dern, in ei­nem vor­ge­ge­be­nem Zeit­fens­ter den Gas-Ver­brauch zu re­du­zie­ren. Dafür ist es notwendig, dass die aktuellen Kontaktdaten eines Ansprechpartners auf Kundenseite beim Netzbetreiber hinterlegt sind.

Noch im Som­mer 2022 soll ein Gas-Auk­ti­ons-Mo­dell ein­ge­führt wer­den, mit dem In­dus­trie­un­ter­neh­men fi­nan­zi­el­le An­rei­ze er­hal­ten sol­len, um Gas ein­zu­spa­ren. "Ziel ist es, dass in­dus­tri­el­le Ver­brau­cher an­ders als bis­her ih­re Ab­schalt­po­ten­zi­a­le dem Re­gel­markt zur Ver­fü­gung stel­len und so mög­lichst vie­le Men­gen für et­wa­i­ge Eng­pass­si­tu­a­ti­o­nen im kom­men­den Win­ter be­reit­zu­stel­len", heißt es bei der Bun­des­netz­agen­tur (BNetzA).

Ge­steu­ert wür­de die Aus­schrei­bung von ein­zu­spa­ren­den Gas­men­gen durch die BNetzA. In­dus­tri­el­le Un­ter­neh­men stel­len auf der Platt­form des Trading Hub Europe ihr An­ge­bot zur Be­reit­stel­lung von Gas­men­gen ein, die Kos­ten wür­den in ei­ner Auk­ti­on ge­re­gelt. Hier­bei er­hält das nie­drigs­te Ge­bot den Zu­schlag, da da­von aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass, wer kein ho­hes Ge­bot ab­gibt, auf Gas­men­gen ver­zich­ten kann. Der Staat kauft die­se frei­en Ka­pa­zi­tä­ten und spei­chert sie ein.

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