Die Gas-Versorgung in Deutschland ist gesichert

Seit vielen Jahr­zehn­ten hat Deutsch­land eine zu­ver­läs­si­ge Gas-Ver­sor­gung. Auf­grund der ak­tu­el­len Kri­se in Euro­pa wächst die Sor­ge, ob die Ver­sor­gung mit Gas ge­sich­ert ist. Trotz al­ler Er­eig­nis­se sind die Gas­flüs­se in den Pipe­lines ak­tu­ell sta­bil. Ins­be­son­dere für die rund 20 Mil­li­onen mit Gas be­heiz­ten Woh­nun­gen ist die Ver­sor­gung sicher­ge­stellt – Pri­vat­haus­hal­te ge­hö­ren gemäß § 53a EnWG zu den ge­schütz­ten Kun­den. In­so­fern es den­noch zu einer Lie­fer­un­ter­bre­chung des russischen Pipe­line-Gases kom­men soll­te, ist die Gas-Ver­sor­gung durch den di­ver­si­fi­zier­ten Be­zug aus anderen Län­dern vor­erst ge­sich­ert.

Verantwortung der Gas-Wirtschaft

Mit gro­ßer Be­stür­zung blicken wir auf den russischen An­griffs­krieg ge­gen die Ukraine. Wir hof­fen in­stän­dig, dass Di­plo­ma­tie und Dia­log schnellst­mög­lich Ein­gang fin­den. Die Gas-Wirt­schaft ist sich ihrer Ver­ant­wor­tung be­wusst und be­fin­det sich im engen Aus­tausch mit der Bun­des­re­gie­rung, um die ak­tu­el­le La­ge ent­lang der be­steh­enden Vor­sor­ge­plä­ne neu zu be­wer­ten.

Der­zeit wer­den al­le Op­ti­o­nen für die Auf­recht­er­hal­tung des ho­hen Ni­veaus in der Ver­sor­gungs­sicher­heit ge­prüft und ent­spre­chen­de Maß­nah­men er­grif­fen. Ak­tu­ell gehen wir auf­grund der ho­hen Di­ver­si­tät im Gas-Im­port da­von aus, dass die Lie­fer­ver­pflich­tungen er­füllt wer­den kön­nen. Zu­dem grei­fen Si­che­rungs­maß­nah­men im Fal­le einer Man­gel­la­ge. Die am 30. März aus­ge­ru­fe­ne Früh­warn­stu­fe des Not­fall­plans Gas dient der zu­sätz­li­chen Si­che­rung der Gas-Ver­sor­gung, ak­tu­ell be­ste­hen kei­ne Eng­päs­se.

Struk­tur des Pri­mär­ener­gie­ver­brauchs in Deutsch­land 2021

Erd­gas stell­te im Jahr 2021 fast 27 Pro­zent der Ener­gie zur Ver­fü­gung, die in Deutsch­land ver­braucht wur­den. Etwa 20 Mil­li­o­nen Woh­nun­gen und 1,8 Mil­li­o­nen Unter­neh­men aus Ge­wer­be und In­dus­trie be­nö­ti­gen den Ener­gie­trä­ger zum Hei­zen oder zur Pro­duk­tion. Mehr als die Hälf­te des ein­ge­setz­ten Erd­gases wird aus Russ­land, et­wa 30 Pro­zent aus Nor­we­gen und der Rest aus übri­gen euro­pä­ischen Län­dern im­por­tiert. Der An­teil der In­lands­för­de­rung am Ver­brauch be­trug 5,2 Pro­zent (BDEW, Wert 2020). Zu­dem flie­ßen be­reits 10 Tera­watt­stun­den re­gi­o­nal er­zeug­tes Bio­gas durch das deutsche Gas-Netz.

Um die Ab­hän­gig­keit Eu­ro­pas von den Ener­gie­lie­fe­run­gen aus Russ­land und den Im­port­be­darf bis zur nächs­ten Heiz­pe­ri­o­de zu kom­pen­sie­ren, müs­sen die Be­mü­hun­gen, Ener­gie ein­zu­spa­ren und mit Ener­gie ef­fi­zien­ter um­zu­ge­hen wei­ter ver­stärkt wer­den. Russ­land ist für Eu­ro­pa und für Deutsch­land Haupt­lie­fe­rant von Erd­gas, hin­zu­kom­men rus­si­sche Koh­le und rus­si­sches Mi­ne­ral­öl.

Aurora Energy Research hat Al­ter­na­ti­ven ana­ly­siert und geht da­von aus, dass im Fall ei­nes rus­si­schen Gas-Lie­fer­stopps im kom­men­den Win­ter 2022/23 ei­ne Lü­cke von 109 Mrd. Ku­bik­me­ter Gas ent­ste­hen wür­de. Die­se zu schlie­ßen, wä­re ei­ne er­heb­li­che wirt­schaft­li­che, ge­sell­schaft­li­che und tech­ni­sche He­raus­for­de­rung. Et­wa 2/3 der ent­ste­hen­den Lü­cke könn­ten durch vol­le Gas-Spei­cher ge­schlos­sen wer­den. Das rest­li­che Drit­tel müss­te durch die Re­du­zie­rung des Gas-Be­darfs durch Ener­gie­ein­spa­run­gen und -ef­fi­zienz aus­ge­gli­chen wer­den.

Wei­te­re Maß­nah­men zur Di­ver­si­fi­zie­rung der Be­zugs­quel­len und die Ent­wick­lung von grü­nem Gas müs­sen wei­ter vo­ran­ge­trie­ben wer­den. Ei­ne stär­ke­re Nut­zung von re­gi­o­nal er­zeug­ten Bio­gas, der Aus­bau der Power-to-Gas-Tech­no­lo­gie so­wie der schnel­le­re Ein­stieg in Was­ser­stoff zäh­len ge­nau­so da­zu wie der Bau von LNG- und Was­ser­stoff­ter­mi­nals.

Gas-Importbedarf der EU

Der Importbedarf betrug 2021 ca. 360 Mrd. m3

Quelle: Eurostat NRG_CB_GASM, Importbedarf 2021 vorläufige Schätzung

Diversität im Gas-Import sichert die Versorgung

Deutsch­land und Eu­ro­pa kön­nen auf ei­nen brei­ten Mix an Gas-Lie­fe­ran­ten bauen: Durch die gro­ße Zahl an Be­zugs­quel­len und eine noch grö­ße­re Zahl von Be­zugs­we­gen kön­nen mög­liche Eng­päs­se in der Gas-Ver­sor­gung kom­pen­siert wer­den, so­dass die Ver­sor­gung der Ver­brau­cher­in­nen und Ver­brau­cher ge­währ­leis­tet bleibt. Neben dem Trans­port von Erd­gas über das euro­pä­ische Lei­tungs­netz ge­lan­gen ak­tuell grö­ße­re Men­gen Gas in ver­flüs­sig­ter Form (LNG) aus den USA und aus Katar zu uns. Die dor­ti­gen An­ge­bots­men­gen kön­nen kurz­fris­tig aus­ge­wei­tet wer­den. 

So­lan­ge Deutsch­land nicht über LNG-Ter­mi­nals ver­fügt, er­folgt die Be­lie­fe­rung mit ver­flüs­sig­tem Gas über Ter­mi­nals in euro­pä­ischen Nach­bar­staaten wie z. B. Bel­gien und den Nie­der­lan­den. Der Auf­bau eigener Ter­mi­nals wird nun schnel­ler voran­ge­trie­ben. In der am 27.02.2022 statt­ge­fun­denen Son­der­sit­zung des Bun­des­ta­ges hat Bun­des­kanz­ler Olaf Scholz die Ab­sicht ver­kün­det, LNG-Ter­mi­nals so schnell wie mög­lich zu bauen. Die Gas-Bran­che hat den Ter­mi­nal­auf­bau in Deutsch­land seit längerem ge­plant, auf­grund un­zu­rei­chen­der ge­setz­licher Rah­men­be­din­gungen je­doch bis­lang nicht um­set­zen kön­nen. Die ak­tuell an­ge­dach­ten Ter­mi­nals müs­sen Was­ser­stoff-ready ge­baut wer­den, um künf­tig CO2-arme Ener­gie­trä­ger in ver­flüs­sig­ter Form nach Deutsch­land im­por­tieren zu kön­nen.

Hochkomplexer Gas-Markt

Liberalisierung: Entflechtung von Netz, Vertrieb und Handel

Im Jahr 2005 wur­de der Gas-Markt li­be­ra­li­siert: Die Gas-Netze wur­den für al­le Markt­teil­neh­mer ge­öff­net, Gas-An­bie­ter kau­fen seit­dem ent­spre­chen­de Lei­tungs­ka­pa­zi­tä­ten ein. End­kun­den kön­nen seit die­sem Zeit­punkt Gas bei je­dem be­lie­bi­gen An­bie­ter in Deut­schland be­stel­len. Am vir­tu­el­len Han­dels­punkt (VHP) mel­den Gas-Ver­käu­fer und -Ein­käu­fer täg­lich ihren ge­schätz­ten Be­darf. Der Be­trieb des VHP ob­liegt der Trading Hub Europe GmbH, der Ver­ant­wort­lichen für das ge­samt­deutsche Markt­ge­biet. Auf­ga­be der Markt­ge­biets­ver­ant­wort­lichen ist es, unter an­de­rem für einen Aus­gleich even­tu­el­ler Ab­wei­chungen im Gas-Netz zu sor­gen, die durch un­ter­schied­licher Ein­spei­sung und Aus­spei­sung sonst ent­stehen könn­ten.

Die Märkte bestimmen den Gas-Preis

Be­stimmt wird der Gas-Han­del von An­ge­bots­men­gen und Markt­prei­sen. Gas wird am lang­fris­ti­gen Ter­min- oder am ta­ges­ak­tu­el­len Spot­markt ge­han­delt. Unter­liegt der Ein­kauf da­bei dem Ter­min­markt, hängt der Preis den­noch von den ak­tu­el­len Prei­sen an den euro­pä­ischen Bör­sen ab, denn viele Ver­trä­ge wer­den mit einer Men­gen- und einer Preis­span­ne ge­schlos­sen: Steigt der Bör­sen­preis, ver­dient der Gas-Ex­por­teur mehr, wenn der Bör­sen­preis sinkt, we­ni­ger. Der Ein­kauf am Ter­min­markt er­mög­licht die Gas-Lie­fe­rungen zu einem spä­te­ren Zeit­punkt.

Über­schüs­si­ge Gas-Men­gen kön­nen di­rekt an der Bör­se oder bi­la­te­ral über den OTC-Han­del (over the counter), am Spot-Markt, ta­ges­ak­tu­ell ge­han­delt wer­den, um kurz­fris­ti­ge Nach­fra­gen zu be­dienen. Der Spot-Markt-Preis schwank­te auf­grund eines star­ken Un­gleich­ge­wichts von An­ge­bot und Nach­frage in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten stark.  

Zum Ein­kauf über den vir­tu­el­len Han­dels­punkt gibt es auch die klas­sischen Ver­trags­ver­hand­lungen, in denen fest­ge­legt wird, ob zu lie­fern­de Gas-Men­gen über den Lie­fer­zeit­raum einen kon­stan­ten Preis auf­wei­sen oder an einen be­stimm­ten In­dex ge­kop­pelt sind.  

Auf­grund der ho­hen Preis­trans­pa­renz durch die Bör­se so­wie den kom­bi­nier­ten Ein­kaufs­stra­te­gien konn­te Deutsch­land in der Ver­gan­gen­heit stets von sta­bil güns­ti­gen Gas-Prei­sen pro­fi­tieren.

Aufbau einer strategischen Gas-Reserve: Gas-Speichergesetz

Die Gas-Spei­cher spie­len für die deut­sche und eu­ro­pä­ische Erd­gas-Ver­sor­gung so­wie für die Er­rei­chung der Kli­ma­zie­le ei­ne zen­tra­le Rol­le. Deutsch­land ver­fügt über die größ­ten Gas-Spei­cher­ka­pa­zi­tä­ten in der EU. Bis­her dient die Spei­cher­nut­zung der Struk­tu­rie­rung der Gas-Men­gen, der Ab­si­che­rung ge­gen z. B. Preis­schwan­kun­gen so­wie dem eu­ro­pä­ischen Gas-Han­del.

Am 30. April 2022 ist in Deutsch­land das Gas-Spei­cher­ge­setz in Kraft getreten. In die­sem wird die Über­wa­chung und Durch­set­zung der Spei­cher­be­fül­lung so­wie die Füll­stands­vor­ga­ben fest­ge­legt:

  • am 1. Ok­to­ber: Spei­cher zu 80 Pro­zent ge­füllt
  • am 1. No­vem­ber: Spei­cher zu 90 Pro­zent ge­füllt
  • am 1. Fe­bru­ar: Spei­cher zu 40 Pro­zent ge­füllt

Be­trei­ber von Gas-Spei­chern ha­ben künf­tig ei­nen Nach­weis über die Ein­hal­tung die­ser Vor­ga­ben zu er­brin­gen. Ne­ben den Füll­stands­vor­ga­ben sol­len Spei­cher­be­trei­ber von ihnen ge­buch­te, je­doch nicht ge­nutz­te Ka­pa­zi­tä­ten, dem Markt­ge­biets­ver­ant­wort­li­chen, der Trading Hub Europe GmbH, zur Ver­fü­gung stel­len. Der "use-it-or-loose-it"-Me­cha­nis­mus soll si­cher­stel­len, dass ei­ne Be­fül­lung al­ler ver­füg­ba­ren Ka­pa­zi­tä­ten er­mög­licht wird.

Sicherstellung der Versorgung mit Erdgas

Krisenvorsorge Gas

Mit dem Ener­gie­wirt­schafts­ge­setz (EnWG) sind Gas-Netz­be­trei­ber ver­pflich­tet, vor­ge­schrie­bene Maß­nah­men zur Ge­währ­leis­tung einer si­che­ren Ver­sor­gung mit Gas zu er­grei­fen. Im Fal­le einer Ver­sor­gungs­un­ter­bre­chung ist die Be­lie­fe­rung der so­ge­nann­ten ge­schütz­ten Kun­den so lan­ge auf­recht zu hal­ten, wie die Ver­sor­gung wirt­schaft­lich zu­mut­bar ist. Die Wahl von Be­schaf­fungs­we­gen und Lie­fer­quel­len ist da­bei frei. 

In Si­tu­a­tion wie z. B. in einer Gas-Man­gel­la­ge ist es grund­sätz­lich das Ziel, al­le Kun­den­grup­pen mög­lichst lan­ge wei­ter zu ver­sor­gen. Die Be­lie­fe­rung be­stimm­ter Kun­den­grup­pen hat vor der Ver­sor­gung an­derer Ver­brau­cher je­doch Vor­rang. Sie wer­den als ge­schütz­te Kun­den be­zei­chnet.

Der Kreis der ge­schütz­ten Kun­den ist im EnWG fest­ge­legt.

  • Letzt­ver­brau­cher, die die ge­lie­fer­te Ener­gie über­wie­gend selbst im Haus­halt ver­brau­chen
  • Klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men, deren Ver­brauch über stan­dar­di­sier­te Last­pro­fi­le ge­mes­sen wird (SLP-Kun­den)
  • Kran­ken­häu­ser, Pfle­ge­ein­rich­tungen und wei­te­re sta­ti­o­nä­re so­ziale Ein­rich­tungen im Sin­ne des Ar­ti­kel 2 Nr. 4 der EU-Ver­ord­nung 2017/1938 des Euro­päischen Par­la­ments  
  • z. B. Po­li­zei und Feuer­wehr  
  • Fern­wär­me­an­la­gen, die zur Wär­me­lie­fe­rung von oben­ste­hen­den ge­schütz­ten Kun­den ver­wen­det wer­den und kei­nen Brenn­stoff­wech­sel vor­neh­men kön­nen

Wenn es zu einer Gas-Man­gel­la­ge kommt, grei­fen die ge­setz­lichen Grund­la­gen ge­mäß § 16 Abs. 1 und 2 EnWG, ge­mäß de­rer Gas-Netz­be­trei­ber be­rech­tigt und ver­pflich­tet sind, Maß­nah­men zur Be­sei­ti­gung der Stö­rung zu er­grei­fen. Da­für ist ein stu­fen­wei­ses Vor­gehen vor­ge­schrie­ben, wel­ches die fol­gen­den Maß­nah­men um­fas­sen kann:

  • Netz­um­schal­tungen
  • Men­gen­ver­la­ge­run­gen
  • Un­ter­bre­chung ver­trag­lich un­ter­brech­ba­rer Lie­fe­run­gen
  • Kür­zung von nicht ge­schütz­ten Letzt­ver­brau­chern (ins­be­son­de­re Kun­den mit einer re­gis­trier­ten Leis­tungs­mes­sung, so­ge­nann­te RLM-Kun­den)
  • Kür­zung von sys­tem­re­le­van­ten Gas-Kraft­wer­ken
  • Kür­zung von ge­schütz­ten Letzt­ver­brau­chern

Die oben auf­ge­führ­ten Maß­nah­men stehen in keiner fest­ge­leg­ten Rei­hen­fol­ge. Nicht ge­schütz­te Kun­den wer­den über even­tu­el­le Last­ab­schal­tungen recht­zei­tig von ihrem Gas-Netz­be­trei­ber in­for­miert.

Die De­ckung des le­bens­wich­ti­gen Be­darfs an Gas soll auch in Kri­sen­zei­ten ge­währ­leis­tet sein. Für den Fall, dass die Gas­wirt­schafts­ak­teu­re die Ver­sor­gung durch markt­ge­rech­te Maß­nah­men nicht, nicht recht­zei­tig oder nur mit un­ver­hält­nis­mä­ßi­gen Mit­teln be­he­ben kön­nen, ist der Staat in der Pflicht, den le­bens­wich­ti­gen Be­darf an Gas durch ho­heit­li­che Last­ver­tei­lung zu de­cken. Die Bun­des­netz­agen­tur über­nimmt im Kri­sen­fall die­se ho­heit­li­che Ver­tei­lung und Zu­tei­lung der knap­pen Gas­men­gen. For­mal muss da­für die letz­te Stu­fe des Not­fall­plans Gas in Deutsch­land aus­ge­ru­fen wer­den, mit der die Bun­des­netz­agen­tur zum so­ge­nann­ten Bun­des­last­ver­tei­ler wird. Der Bun­des­last­ver­tei­ler wird nach dem Ener­gie­si­che­rungs­ge­setz (EnSiG) ak­tiv, wenn die Not­fall­stu­fe ge­mäß der Ver­ord­nung (EU) 2017/1938 über Maß­nah­men zur Ge­währ­leis­tung der si­che­ren Gas­ver­sor­gung (sog. SoS-VO) und dem Not­fall­plan Gas von der Bun­des­re­gie­rung aus­ge­ru­fen wird.

Der Bun­des­last­ver­tei­ler stellt die im über­re­gi­o­na­len öf­fent­li­chen In­te­res­se lie­gen­de Ver­sor­gung si­cher, führt ei­nen Aus­gleich der elek­tri­zi­täts- und gas­wirt­schaft­li­chen Be­dürf­nis­se und In­te­res­sen der Län­der her­bei oder re­gelt den Ein­satz von un­ter­ir­di­schen Gas­spei­chern und sons­ti­gen Gas­ver­sor­gungs­an­la­gen mit über­re­gi­o­na­ler Be­deu­tung (§ 4 Abs. 3 EnSiG).

Dies be­trifft ins­be­son­de­re die Ver­sor­gung der pri­vi­le­gier­te Kun­den­grup­pe (§ 53a EnWG), die nach EU- und na­ti­o­na­lem Recht ei­nen be­son­de­ren Schutz ge­nie­ßen.

Um die­ser Auf­ga­be ent­spre­chend nach­zu­kom­men, wird ei­ne um­fang­rei­che Da­ten­ba­sis ge­schaf­fen: die Si­cher­heits­platt­form Gas. Hier­zu er­folgt nun ei­nen mehr­stu­fi­ge Da­ten­er­he­bung:

  • Da­ten­ab­fra­ge bei den Gas­netz­be­trei­bern bis 28. April 2022
  • Da­ten­ab­fra­ge bei den deut­schen Gas­ver­brau­chern ab ei­ner Grö­ße von 10 MWh/h tech­ni­scher An­schluss­ka­pa­zi­tät im Mai 2022
  • fi­na­le In­be­trieb­nah­me der Si­cher­heits­platt­form Gas am 1. Ok­to­ber 2022 

Aus den Ab­fra­ge­er­geb­nis­sen wird kei­ne fes­te Ab­schalt­rei­hen­fol­ge ab­ge­lei­tet. Die Er­geb­nis­se er­mög­li­chen der Bun­des­netz­agen­tur, die Fol­gen von Maß­nah­men für die be­trof­fe­nen Letzt­ver­brau­cher und die Ge­sell­schaft best­mög­lich ein­schät­zen zu kön­nen und ein ef­fi­zien­tes Ma­na­ge­ment im Kri­sen­fall.

(Quelle: Bun­des­netz­agen­tur)

Das Ener­gie­si­che­rungs­ge­setz (EnSiG) trat 1975 in Kraft und ist das Ge­setz zur Si­che­rung der Ener­gie­ver­sor­gung. Es sieht Vor­schrif­ten für den Fall vor, dass die Ener­gie­ver­sor­gung un­mit­tel­bar ge­fähr­det oder ge­stört und die Ge­fähr­dung oder Stö­rung der Ener­gie­ver­sor­gung durch markt­ge­rech­te Maß­nah­men nicht, nicht recht­zei­tig oder nur mit un­ver­hält­nis­mä­ßi­gen Mit­teln zu be­he­ben ist – mit dem Ziel: Die De­ckung des le­bens­wich­ti­gen Be­darfs an Ener­gie in die­sen Fäl­len zu si­chern.

No­vel­le des Ener­gie­si­che­rungs­ge­set­zes

Im Mai 2022 soll das Ge­setz no­vel­liert wer­den. Mit der No­vel­le will die Bun­des­re­gie­rung vor dem Hin­ter­grund des Krie­ges in der Ukraine die Rah­men­be­din­gun­gen für die Ener­gie­ver­sor­gungs­si­cher­heit ver­bes­sern.

So sol­len Ener­gie­ver­sor­ger:in­nen zeit­lich be­schränkt auf ei­ne fest­ge­stell­te Gas­man­gel­la­ge ih­re Prei­se auf dem Ni­veau der Er­satz­be­schaf­fung er­hö­hen dür­fen, wenn sie im Fal­le ver­min­der­ter Gas­lie­fe­run­gen ver­trag­lich ge­si­cher­te Men­gen am Markt be­sor­gen müs­sen. Ist die Gas­man­gel­la­ge über­wun­den, müs­sen die Ener­gie­ver­sor­ger:in­nen die Prei­se wie­der auf ein an­ge­mes­se­nes Ni­veau rück­an­pas­sen. Kun­den ha­ben wäh­rend der er­höh­ten Preis­pha­sen al­le zwei Mo­na­te ein An­recht da­rauf, die Über­prü­fung der Not­wen­dig­keit zu ver­lan­gen. Zu­dem wird ein staat­li­ches Preis­an­pas­sungs­mo­ni­to­ring durch­ge­führt, um sol­che Preis­an­pas­sun­gen eva­lu­ie­ren zu kön­nen.

Das Ge­setz stärkt zu­dem Re­geln, nach de­nen sich EU-Staa­ten bei Gas­ver­sor­gungs­eng­päs­sen aus­hel­fen. Auch Preis­ein­grif­fe des Staa­tes sind im Fal­le von aus­blei­ben­den Lie­fe­run­gen vor­ge­se­hen, um Si­tu­a­ti­o­nen vor­zu­beu­gen, in de­nen Lie­fer­aus­fäl­le da­zu füh­ren, dass sich Im­por­teure teuer am Markt ein­de­cken müs­sen, um Ver­pflich­tun­gen ein­zu­hal­ten, die­se Kos­ten aber aus ver­trag­li­chen Grün­den nicht wei­ter­ge­ben kön­nen. Die Norm soll groß­flä­chi­ge In­sol­ven­zen ver­hin­dern und nur gel­ten, wenn tat­säch­lich Lie­fe­run­gen im gro­ßen Stil aus­fal­len. 

Neu ist auch, dass es dem Bund er­mög­licht wer­den soll, Un­ter­neh­men, die ih­rem Ver­sor­gungs­auf­trag nicht nach­kom­men, un­ter Treu­hän­der­schaft zu stel­len und im Aus­nah­me­fall so­gar zu ent­eig­nen. Der Bun­des­tag soll bei ei­ner Ent­eig­nung ein­ge­bun­den wer­den und muss in­ner­halb von drei Sit­zungs­wo­chen zu­stim­men. Tut er das nicht, gilt die Zu­stim­mung als er­teilt.

Die Bun­des­netz­agen­tur hat ei­nen Kri­te­rien­ka­ta­log un­ter der Über­schrift "Ab­wä­gungs­ent­schei­dung" ent­wi­ckelt, der in ei­ner Gas­not­la­ge da­bei un­ter­stüt­zen soll, ei­ne Ent­schei­dung leich­ter da­rü­ber zu tref­fen, in wel­cher Rei­hen­fol­ge Un­ter­neh­men von der Gas­ver­sor­gung ge­trennt wer­den könn­ten. Da­bei pri­o­ri­siert die Bun­des­netz­agen­tur Ab­schal­tun­gen, die gro­ße Ein­spar­ef­fek­te bei kur­zen Vor­lauf­zei­ten, mög­lichst ge­rin­gen Schä­den und ge­rin­gen Ein­schrän­kun­gen der Ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung ha­ben:

  • die "Dring­lich­keit der Maß­nah­me, ins­be­son­de­re in Ab­hän­gig­keit der Aus­prä­gung der Gas­man­gel­si­tu­a­ti­on"
  • die "Grö­ße der An­la­ge und de­ren Gas­be­zug und so­mit die Wir­kung ei­ner Gas­ver­sor­gungs­re­duk­ti­on"
  • die er­for­der­li­che "Vor­lauf­zeit zur Gas­be­zugs­re­duk­ti­on be­zie­hungs­wei­se ei­nes ge­ord­ne­ten He­run­ter­fah­rens der Pro­duk­ti­ons­an­la­gen"
  • die "zu er­war­ten­den volks- und be­triebs­wirt­schaft­li­chen Schä­den"
  • die "Kos­ten und Dauer der Wie­der­in­be­trieb­nah­me nach ei­ner Gas­ver­sor­gungs­re­duk­ti­on"
  • die "Be­deu­tung für die Ver­sor­gung der All­ge­mein­heit"

Die Bun­des­netz­agen­tur muss im Fal­le, dass ei­ne Gas­not­la­ge ein­trifft und so­mit die drit­te Stu­fe des Not­fall­plans Gas aus­ge­ru­fen wer­den wür­de, da­mit be­gin­nen, Gas an­hand des Aus­ma­ßes der vor­lie­gen­den Gas­man­gel­la­ge zu­zu­tei­len, um v. a. die Gas­ver­sor­gung der ge­schütz­ten Kun­den auf­recht­zu­er­hal­ten.

Faktenblatt Importembargo russisches Gas

Fakten zu den Auswirkungen eines Importverbotes für russisches Gas

Ein so­for­ti­ger Aus­stieg aus rus­sischem Gas könn­te teils dra­ma­tische Aus­wir­kun­gen auf den Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land und da­mit auf in­ter­na­ti­o­na­le Lie­fer­ket­ten ha­ben. Das Fak­ten­blatt zeigt die Mög­lich­kei­ten al­ter­na­ti­ver Be­schaf­fungs­rou­ten und die Ri­si­ken eines kurz­fris­ti­gen Im­port­em­bar­gos für rus­sisches Erd­gas auf.