Die Lage der Gas-Versorgung in Deutschland ist angespannt aber stabil

Vie­le Jahr­zehn­te lang hat­te Deutsch­land ei­ne zu­ver­läs­si­ge Gas-Ver­sor­gung. Auf­grund der ak­tu­el­len Kri­se in Eu­ro­pa ist die La­ge je­doch an­ge­spannt. Russ­land hat­te sei­ne Gas­lie­fe­run­gen durch die Nord Stream Pipe­line zu­letzt um rund 60 Pro­zent re­du­ziert. Da­von ab­ge­se­hen sind die Gas­flüs­se in den Pipe­lines ak­tu­ell aber ins­ge­samt sta­bil. Ins­be­son­dere für die rund 20 Mil­li­o­nen mit Gas be­heiz­ten Woh­nun­gen ist die Ver­sor­gung sicher­ge­stellt – Pri­vat­haus­hal­te ge­hö­ren gemäß § 53a EnWG zu den ge­schütz­ten Kun­den. In­so­fern es den­noch zu ei­ner voll­stän­di­gen Lie­fer­un­ter­bre­chung des rus­si­schen Pipe­line-Ga­ses kom­men soll­te, ist die Gas-Ver­sor­gung durch den di­ver­si­fi­zier­ten Be­zug aus an­de­ren Län­dern vor­erst ge­sich­ert.

Verantwortung der Gas-Wirtschaft

Mit gro­ßer Be­stür­zung bli­cken wir auf den russischen An­griffs­krieg ge­gen die Ukraine. Die Gas-Wirt­schaft ist sich ihrer Ver­ant­wor­tung be­wusst und be­fin­det sich im engen Aus­tausch mit der Bun­des­re­gie­rung, um die ak­tu­el­le La­ge ent­lang der be­ste­hen­den Vor­sor­ge­plä­ne kon­ti­nu­ier­lich neu zu be­wer­ten.

Der­zeit wer­den al­le Op­ti­o­nen für die Auf­recht­er­hal­tung der Ver­sor­gungs­si­cher­heit ge­prüft und ent­spre­chen­de Maß­nah­men er­grif­fen. Ak­tu­ell ge­hen wir auf­grund der ho­hen Di­ver­si­tät im Gas-Im­port da­von aus, dass die Lie­fer­ver­pflich­tun­gen wei­ter­hin er­füllt wer­den kön­nen. Zu­dem grei­fen Si­che­rungs­maß­nah­men im Fal­le ei­ner Man­gel­la­ge. Die am 23. Juni aus­ge­ru­fe­ne Alarm­stu­fe des Not­fall­plans Gas dient der ver­schärf­ten Beo­bach­tung der Gas-Ver­sor­gung, ak­tu­ell be­ste­hen al­ler­dings kei­ne Eng­päs­se. Die re­du­zier­ten rus­si­schen Im­por­te wer­den durch den Im­port von Erd­gas an den LNG-Ter­mi­nals in West­eu­ro­pa bis­her auf­ge­fan­gen.

Struk­tur des Pri­mär­ener­gie­ver­brauchs in Deutsch­land 2021

Erd­gas stell­te im Jahr 2021 fast 27 Pro­zent der Ener­gie zur Ver­fü­gung, die in Deutsch­land ver­braucht wur­den. Etwa 20 Mil­li­o­nen Woh­nun­gen und 1,8 Mil­li­o­nen Unter­neh­men aus Ge­wer­be und In­dus­trie be­nö­ti­gen den Ener­gie­trä­ger zum Hei­zen oder zur Pro­duk­tion. Mehr als die Hälf­te des ein­ge­setz­ten Erd­gases wird aus Russ­land, et­wa 30 Pro­zent aus Nor­we­gen und der Rest aus übri­gen euro­pä­ischen Län­dern im­por­tiert. Der An­teil der In­lands­för­de­rung am Ver­brauch be­trug 5,2 Pro­zent (BDEW, Wert 2020). Zu­dem flie­ßen be­reits 10 Tera­watt­stun­den re­gi­o­nal er­zeug­tes Bio­gas durch das deutsche Gas-Netz.

Um die Ab­hän­gig­keit Eu­ro­pas von den Ener­gie­lie­fe­run­gen aus Russ­land und den Im­port­be­darf bis zur nächs­ten Heiz­pe­ri­o­de zu kom­pen­sie­ren, müs­sen die Be­mü­hun­gen, Ener­gie ein­zu­spa­ren und mit Ener­gie ef­fi­zien­ter um­zu­ge­hen wei­ter ver­stärkt wer­den. Russ­land ist für Eu­ro­pa und für Deutsch­land Haupt­lie­fe­rant von Erd­gas, hin­zu­kom­men rus­si­sche Koh­le und rus­si­sches Mi­ne­ral­öl.

Aurora Energy Research hat Al­ter­na­ti­ven ana­ly­siert und geht da­von aus, dass im Fall ei­nes rus­si­schen Gas-Lie­fer­stopps im kom­men­den Win­ter 2022/23 ei­ne Lü­cke von 109 Mrd. Ku­bik­me­ter Gas ent­ste­hen wür­de. Die­se zu schlie­ßen, wä­re ei­ne er­heb­li­che wirt­schaft­li­che, ge­sell­schaft­li­che und tech­ni­sche He­raus­for­de­rung. Et­wa 2/3 der ent­ste­hen­den Lü­cke könn­ten durch vol­le Gas-Spei­cher ge­schlos­sen wer­den. Das rest­li­che Drit­tel müss­te durch die Re­du­zie­rung des Gas-Be­darfs durch Ener­gie­ein­spa­run­gen und -ef­fi­zienz aus­ge­gli­chen wer­den.

Wei­te­re Maß­nah­men zur Di­ver­si­fi­zie­rung der Be­zugs­quel­len und die Ent­wick­lung von grü­nem Gas müs­sen wei­ter vo­ran­ge­trie­ben wer­den. Ei­ne stär­ke­re Nut­zung von re­gi­o­nal er­zeug­ten Bio­gas, der Aus­bau der Power-to-Gas-Tech­no­lo­gie so­wie der schnel­le­re Ein­stieg in Was­ser­stoff zäh­len ge­nau­so da­zu wie der Bau von LNG- und Was­ser­stoff­ter­mi­nals.

Gas-Importbedarf der EU

Der Importbedarf betrug 2021 ca. 360 Mrd. m3

Quelle: Eurostat NRG_CB_GASM, Importbedarf 2021 vorläufige Schätzung

Diversität im Gas-Import sichert die Versorgung

Deutsch­land und Eu­ro­pa kön­nen auf ei­nen brei­ten Mix an Gas-Lie­fe­ran­ten bauen: Durch die gro­ße Zahl an Be­zugs­quel­len und Be­zugs­we­gen kön­nen mög­liche Eng­päs­se in der Gas-Ver­sor­gung kom­pen­siert wer­den, so­dass die Ver­sor­gung der Ver­brau­cher­in­nen und Ver­brau­cher ge­währ­leis­tet bleibt. Ne­ben dem Trans­port von Erd­gas über das euro­pä­ische Lei­tungs­netz ge­lan­gen ak­tuell grö­ße­re Men­gen Gas in ver­flüs­sig­ter Form (LNG) aus den USA und aus Katar zu uns. Die dor­ti­gen An­ge­bots­men­gen kön­nen kurz­fris­tig aus­ge­wei­tet wer­den. Zu­dem sol­len zu­sätz­li­che LNG-Lie­fe­run­gen aus Ja­pan und über Ägyp­ten aus Is­ra­el kom­men.

So­lan­ge Deutsch­land nicht über LNG-Ter­mi­nals ver­fügt, er­folgt die Be­lie­fe­rung mit ver­flüs­sig­tem Gas über Ter­mi­nals in eu­ro­pä­ischen Nach­bar­staa­ten wie z. B. Bel­gien und den Nie­der­lan­den. Der Auf­bau ei­ge­ner Ter­mi­nals wird nun schnel­ler vo­ran­ge­trie­ben. Der am 19. Mai 2022 ver­ab­schie­de­te Ge­setz­ent­wurf zur Be­schleu­ni­gung des Ein­sat­zes ver­flüs­sig­ten Erd­ga­ses hat die Vo­raus­set­zun­gen ge­schaf­fen, LNG-Ter­mi­nals so schnell wie mög­lich zu bauen. Die Gas-Bran­che hat den Ter­mi­nal­auf­bau in Deutsch­land seit längerem ge­plant, auf­grund un­zu­rei­chen­der ge­setz­licher Rah­men­be­din­gungen je­doch bis­lang nicht um­set­zen kön­nen. Die ak­tuell an­ge­dach­ten Ter­mi­nals müs­sen Was­ser­stoff-fä­hig ge­baut wer­den, um künf­tig CO2-arme Ener­gie­trä­ger in ver­flüs­sig­ter Form nach Deutsch­land im­por­tieren zu kön­nen.

Hochkomplexer Gas-Markt

Liberalisierung: Entflechtung von Netz, Vertrieb und Handel

Im Jahr 2005 wur­de der Gas-Markt li­be­ra­li­siert: Die Gas-Netze wur­den für al­le Markt­teil­neh­mer ge­öff­net, Gas-An­bie­ter kau­fen seit­dem ent­spre­chen­de Lei­tungs­ka­pa­zi­tä­ten ein. End­kun­den kön­nen seit die­sem Zeit­punkt Gas bei je­dem be­lie­bi­gen An­bie­ter in Deut­schland be­stel­len. Am vir­tu­el­len Han­dels­punkt (VHP) mel­den Gas-Ver­käu­fer und -Ein­käu­fer täg­lich ihren ge­schätz­ten Be­darf. Der Be­trieb des VHP ob­liegt der Trading Hub Europe GmbH, der Ver­ant­wort­lichen für das ge­samt­deutsche Markt­ge­biet. Auf­ga­be der Markt­ge­biets­ver­ant­wort­lichen ist es, unter an­de­rem für einen Aus­gleich even­tu­el­ler Ab­wei­chungen im Gas-Netz zu sor­gen, die durch un­ter­schied­licher Ein­spei­sung und Aus­spei­sung sonst ent­stehen könn­ten.

Die Märkte bestimmen den Gas-Preis

Be­stimmt wird der Gas-Han­del von An­ge­bots­men­gen und Markt­prei­sen. Gas wird am lang­fris­ti­gen Ter­min- oder am ta­ges­ak­tu­el­len Spot­markt ge­han­delt. Unter­liegt der Ein­kauf da­bei dem Ter­min­markt, hängt der Preis den­noch von den ak­tu­el­len Prei­sen an den euro­pä­ischen Bör­sen ab, denn viele Ver­trä­ge wer­den mit einer Men­gen- und einer Preis­span­ne ge­schlos­sen: Steigt der Bör­sen­preis, ver­dient der Gas-Ex­por­teur mehr, wenn der Bör­sen­preis sinkt, we­ni­ger. Der Ein­kauf am Ter­min­markt er­mög­licht die Gas-Lie­fe­rungen zu einem spä­te­ren Zeit­punkt.

Über­schüs­si­ge Gas-Men­gen kön­nen di­rekt an der Bör­se oder bi­la­te­ral über den OTC-Han­del (over the counter), am Spot-Markt, ta­ges­ak­tu­ell ge­han­delt wer­den, um kurz­fris­ti­ge Nach­fra­gen zu be­dienen. Der Spot-Markt-Preis schwank­te auf­grund eines star­ken Un­gleich­ge­wichts von An­ge­bot und Nach­frage in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten stark.  

Zum Ein­kauf über den vir­tu­el­len Han­dels­punkt gibt es auch die klas­sischen Ver­trags­ver­hand­lungen, in denen fest­ge­legt wird, ob zu lie­fern­de Gas-Men­gen über den Lie­fer­zeit­raum einen kon­stan­ten Preis auf­wei­sen oder an einen be­stimm­ten In­dex ge­kop­pelt sind.  

Auf­grund der ho­hen Preis­trans­pa­renz durch die Bör­se so­wie den kom­bi­nier­ten Ein­kaufs­stra­te­gien konn­te Deutsch­land in der Ver­gan­gen­heit stets von sta­bil güns­ti­gen Gas-Prei­sen pro­fi­tieren.

Aufbau einer strategischen Gas-Reserve: Gas-Speichergesetz

Die Gas-Spei­cher spie­len für die deut­sche und eu­ro­pä­ische Erd­gas-Ver­sor­gung so­wie für die Er­rei­chung der Kli­ma­zie­le ei­ne zen­tra­le Rol­le. Deutsch­land ver­fügt über die größ­ten Gas-Spei­cher­ka­pa­zi­tä­ten in der EU. Bis­her dient die Spei­cher­nut­zung der Struk­tu­rie­rung der Gas-Men­gen, der Ab­si­che­rung ge­gen z. B. Preis­schwan­kun­gen so­wie dem eu­ro­pä­ischen Gas-Han­del.

Am 30. April 2022 ist in Deutsch­land das Gas-Spei­cher­ge­setz in Kraft getreten. In die­sem werden die Über­wa­chung und Durch­set­zung der Spei­cher­be­fül­lung so­wie die Füll­stands­vor­ga­ben fest­ge­legt. Die ursprünglichen Vorgaben wurden per Verordnung mit Wirkung vom 28. Juli 2022 noch einmal verschärft:

  • am 1. September: Spei­cher zu 75 Pro­zent ge­füllt
  • am 1. Oktober: Speicher zu 85 Prozent gefüllt
  • am 1. No­vem­ber: Spei­cher zu 95 Pro­zent ge­füllt
  • am 1. Fe­bru­ar: Spei­cher zu 40 Pro­zent ge­füllt

Be­trei­ber von Gas-Spei­chern ha­ben außerdem ei­nen Nach­weis über die Ein­hal­tung die­ser Vor­ga­ben zu er­brin­gen. Ne­ben den Füll­stands­vor­ga­ben sol­len Spei­cher­be­trei­ber von ihnen ge­buch­te, je­doch nicht ge­nutz­te Ka­pa­zi­tä­ten dem Markt­ge­biets­ver­ant­wort­li­chen, der Trading Hub Europe GmbH, zur Ver­fü­gung stel­len. Der "use-it-or-lose-it"-Me­cha­nis­mus soll si­cher­stel­len, dass ei­ne Be­fül­lung al­ler ver­füg­ba­ren Ka­pa­zi­tä­ten er­mög­licht wird.

Sicherstellung der Versorgung mit Erdgas

Krisenvorsorge Gas

Mit dem Ener­gie­wirt­schafts­ge­setz (EnWG) sind Gas-Netz­be­trei­ber ver­pflich­tet, vor­ge­schrie­bene Maß­nah­men zur Ge­währ­leis­tung einer si­che­ren Ver­sor­gung mit Gas zu er­grei­fen. Im Fal­le einer Ver­sor­gungs­un­ter­bre­chung ist die Be­lie­fe­rung der so­ge­nann­ten ge­schütz­ten Kun­den so lan­ge auf­recht zu hal­ten, wie die Ver­sor­gung wirt­schaft­lich zu­mut­bar ist. Die Wahl von Be­schaf­fungs­we­gen und Lie­fer­quel­len ist da­bei frei.

Stufe des Notfallplans Gas Was bedeutet die Stufe? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Welche Konsequenzen hat die Stufe?
Frühwarnstufe: Feststellung durch eine Presseerklärung des BMWK Es liegen konkrete Hinweise vor, dass sich die Gas-Versorgung verschlechtern kann. Die Versorgung ist jedoch gesichert. Ausbleiben von Gas-Strömen an wichtigen Grenzübergangspunkten; technischer Ausfall wesentlicher Infrastruktur; Extreme Wetterverhältnisse bei gleichzeitig hoher Nachfrage; Risiko einer langfristigen Unterversorgung Europäische Binnenmarktregeln gelten weiter uneingeschränkt; Gas-Unternehmen stellen die Versorgung gemäß § 53a EnWG sicher; Netzbetreiber setzen netz- und marktbezogene Maßnahmen gemäß § 16 und § 16a EnEG, Anlage II des SoS-VO und Kapitel 7 des Notfallplans ein; tägliche Lageeinschätzung der Fernleitungsnetzbetreiber an das BMWK; Verpflichtung der Marktteilnehmer zur umfassenden Unterstützung des BMWK bei der Lagebewertung sowie Mitwirkung im Krisenteam
Alarmstufe: Feststellung durch eine Presseerklärung des BMWK Es liegt eine Störung der Gas-Versorgung oder eine gesteigerte Nachfrage nach Gas vor, die zu einer deutlichen Verschlechterung der Versorgungslage führen kann. Die Versorgung ist weiterhin gesichert. Ausbleiben von Gas-Strömen an wichtigen Grenzübergangspunkten; technischer Ausfall wesentlicher Infrastruktur; Extreme Wetterverhältnisse bei gleichzeitig hoher Nachfrage; Risiko einer langfristigen Unterversorgung Europäische Binnenmarktregeln gelten weiter uneingeschränkt; Gas-Unternehmen stellen die Versorgung gemäß § 53a EnWG sicher; Netzbetreiber setzen netz- und marktbezogene Maßnahmen gemäß § 16 und § 16a EnEG, Anlage II des SoS-VO und Kapitel 7 des Notfallplans ein; tägliche Lageeinschätzung der Fernleitungsnetzbetreiber an das BMWK; Verpflichtung der Marktteilnehmer zur umfassenden Unterstützung des BMWK bei der Lagebewertung sowie Mitwirkung im Krisenteam
Notfallstufe: Feststellung durch Verordnung der Bundesregierung und Kundmachung im Bundesgesetzblatt Es liegt eine außergewöhnlich hohe Gas-Nachfrage, eine erhebliche Versorgungsstörung oder anderweitige extreme Verschlechterungen der gesicherten Versorgung vor. Die Gas-Versorgung reicht nicht mehr aus, um die Nachfrage zu decken. Der Staat greift ein. Ausfall wesentlicher Infrastrutkur ohne Möglichkeit einer schnellen Alternativversorgung; massive langfristige Lieferausfälle sind zu erwarten ohne ausreichende Möglichkeit einer Alternativversorgung; marktbasierte Maßnahmen zur Sicherstellung der Versorgung sind nicht mehr verfügbar oder zeigen keine ausreichende Wirkung; Versorgungssicherheit der geschützten Kunden ist gefährdet Gas-Unternehmen stellen die Versorgung so lange wie möglich sicher; Netzbetreiber setzen netz- und marktbezogene Maßnahmen des Notfallplans ein; hoheitliche Maßnahmen stehen für den benannten Lastverteiler zur Verfügung; mindestens tägliche Lageeinschätzung durch die Fernleitungsnetzbetreiber an das BMWK; Verpflichtung der Marktteilnehmer zur umfassenden Unterstzützung des BMWK bei der Lagebewertung sowie Mitwirkung im Krisenteam

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Kli­ma­schutz hat am 23. Juni 2022 die Alarm­stu­fe des Not­fall­plans Gas aus­ge­ru­fen, da die Lie­fe­run­gen von Gas aus Russ­land ab dem 14. Juni 2022 deut­lich ge­dros­selt wur­den. Die Alarm­stu­fe wur­de in Deutsch­land zu­vor noch nie aus­ge­ru­fen.

Die Alarm­stu­fe ist die zwei­te von ins­ge­samt drei Stu­fen des Not­fall­plans Gas. Sie tritt ein, wenn "ei­ne Stö­rung der Gas­ver­sor­gung oder ei­ne au­ßer­ge­wöhn­lich ho­he Nach­fra­ge nach Gas vor­liegt, die zu ei­ner er­heb­li­chen Ver­schlech­te­rung der Gas­ver­sor­gungs­grund­la­ge führt – der Markt ist aber noch in der La­ge, die­se Stö­rung oder Nach­fra­ge zu be­wäl­ti­gen, oh­ne dass nicht markt­ba­sier­te Maß­nah­men er­grif­fen wer­den müs­sen" (Quel­le: Not­fall­plan Gas). Der Ener­gie­markt steht ak­tu­ell un­ter staat­li­cher Über­wa­chung, es er­folgt je­doch kein Ein­griff.

Für die Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher än­dert sich erst­mal nichts. Die Alarm­stu­fe ist al­ler­dings ein sehr deut­li­ches Sig­nal zum Ener­gie­spa­ren, um ei­ne Man­gel­la­ge zu ver­hin­dern. Je­de Ki­lo­watt­stun­de, die jetzt im Som­mer ge­spart wer­den kann, steht im Win­ter zur Ver­fü­gung. Die Auf­for­de­rung zum Ener­gie­spa­ren gilt für Pri­vat­haus­hal­te eben­so wie für Ge­wer­be- und In­dus­trie­kun­den als größ­ten Gas­ver­brau­cher.

Auch wenn die Ver­sor­gungs­si­cher­heit in Deutsch­land wei­ter­hin ge­währ­leis­tet ist, ist die La­ge an­ge­spannt. Denn auch an­ge­sichts der Lie­fer­kür­zun­gen müs­sen die Gas-Spei­cher für den Win­ter aus­rei­chend ge­füllt wer­den kön­nen. In der Alarm­stu­fe wird das Mo­ni­to­ring der Gas-Ein­spei­sung und der Gas-Aus­spei­sung er­höht.

Um die Ver­sor­gungs­si­cher­heit zu ge­währ­leis­ten, wird je­de Gas-Ent­nah­me (Aus­spei­che­rung) durch ei­ne Gas-Ein­spei­sung (Ein­spei­che­rung) aus­ge­gli­chen. Sind die Spei­cher je­doch nicht aus­rei­chend ge­füllt, kann es zu ei­ner so­ge­nann­ten Gas-Un­ter­de­ckung kom­men, in­so­fern der Gas-Ver­brauch nicht re­du­ziert wird. Ent­spricht die ein­ge­spei­cher­te Men­ge län­ger­fris­tig nicht der Aus­spei­cher­men­ge, ent­steht ei­ne Gas-Man­gel­la­ge.

Wenn es zu ei­ner Gas-Man­gel­la­ge kommt, grei­fen die ge­setz­li­chen Grund­la­gen ge­mäß § 16 Abs. 1 und 2 EnWG, ge­mäß de­rer Gas-Netz­be­trei­ber be­rech­tigt und ver­pflich­tet sind, Maß­nah­men zur Be­sei­ti­gung der Stö­rung zu er­grei­fen. Da­für ist ein stu­fen­wei­ses Vor­gehen vor­ge­schrie­ben, wel­ches die fol­gen­den Maß­nah­men um­fas­sen kann:

  • Netz­um­schal­tun­gen
  • Men­gen­ver­la­ge­run­gen
  • Un­ter­bre­chung ver­trag­lich un­ter­brech­ba­rer Lie­fe­run­gen
  • Kür­zung von nicht ge­schütz­ten Letzt­ver­brau­chern (ins­be­son­de­re Kun­den mit einer re­gis­trier­ten Leis­tungs­mes­sung, so­ge­nann­te RLM-Kun­den)
  • Kür­zung von sys­tem­re­le­van­ten Gas-Kraft­wer­ken
  • Kür­zung von ge­schütz­ten Letzt­ver­brau­chern

Die oben auf­ge­führ­ten Maß­nah­men ste­hen in kei­ner fest­ge­leg­ten Rei­hen­fol­ge. Nicht ge­schütz­te Kun­den wer­den über even­tu­el­le Last­ab­schal­tun­gen recht­zei­tig von ih­rem Gas-Netz­be­trei­ber in­for­miert.

In Si­tu­a­tion wie z. B. in einer Gas-Man­gel­la­ge ist es grund­sätz­lich das Ziel, al­le Kun­den­grup­pen mög­lichst lan­ge wei­ter zu ver­sor­gen. Die Be­lie­fe­rung be­stimm­ter Kun­den­grup­pen hat vor der Ver­sor­gung an­derer Ver­brau­cher je­doch Vor­rang. Sie wer­den als ge­schütz­te Kun­den be­zei­chnet.

Der Kreis der ge­schütz­ten Kun­den ist im EnWG fest­ge­legt.

  • Letzt­ver­brau­cher, die die ge­lie­fer­te Ener­gie über­wie­gend selbst im Haus­halt ver­brau­chen
  • Klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men, deren Ver­brauch über stan­dar­di­sier­te Last­pro­fi­le ge­mes­sen wird (SLP-Kun­den)
  • Soziale Dienste wie Kitas, Schulen, Hochschulen, Kran­ken­häu­ser, Pfle­ge­ein­rich­tungen und wei­te­re sta­ti­o­nä­re so­ziale Ein­rich­tungen im Sin­ne des Ar­ti­kel 2 Nr. 4 der EU-Ver­ord­nung 2017/1938 des Euro­päischen Par­la­ments  
  • z. B. Po­li­zei, Feuer­wehr und Technisches Hilfswerk
  • Strom- und Wasserversorger, Abwasserentsorger
  • Fern­wär­me­an­la­gen, die zur Wär­me­lie­fe­rung von oben­ste­hen­den ge­schütz­ten Kun­den ver­wen­det wer­den und kei­nen Brenn­stoff­wech­sel vor­neh­men kön­nen
  • Letztverbraucher im Gasnetz, die z. B. Blockheizkraftwerke im Quartier betreiben und auf Erdgas zum Betrieb der Wärmeerzeugungsanlage angewiesen sind

Durch die ein­ge­schränk­te Lie­fe­rung von rus­si­schem Gas müs­sen die Ener­gie­ver­sor­ger ak­tu­ell zu sehr ho­hen Kos­ten Gas an an­de­ren Märk­ten ein­kau­fen. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Ver­sor­ger die­se Kos­ten an ih­re Kund:in­nen wei­ter­ge­ben müs­sen. Un­ab­hän­gig von der Alarm­stu­fe sind Preis­än­de­run­gen ge­mäß den ver­trag­li­chen und ge­setz­li­chen Vor­ga­ben mög­lich. Mit dem neu ein­ge­führ­ten Pa­ra­grafen 24 des Ener­gie­si­che­rungs­ge­set­zes (EnSiG) gibt es ein au­ßer­or­dent­li­ches ge­setz­li­ches Preis­an­pas­sungs­recht. So ist es mög­lich, die Prei­se auch kurz­fris­tig an­zu­pas­sen. Da­mit soll si­cher­ge­stellt wer­den, dass die Ener­gie­ver­sor­ger auch bei ho­hen Kos­ten für not­wen­di­ge Er­satz­be­schaf­fun­gen in Fol­ge ei­ner Gas-Man­gel­la­ge ih­ren Ver­sor­gungs­auf­trag er­fül­len kön­nen. Die An­wen­dung von Pa­ra­graf 24 setzt vo­raus, dass das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Kli­ma­schutz (BMWK) die Alarm­stu­fe aus­ruft und die Bun­des­netz­agen­tur (BNetzA) ei­ne Gas-Man­gel­la­ge fest­stellt. Dies ge­schah am 23. Juni 2022.

Auf­grund der re­du­zier­ten rus­si­schen Gas­lie­fe­run­gen nach Eu­ro­pa sind die Kos­ten für not­wen­di­ge Er­satz­be­schaf­fun­gen wei­ter stark ge­stie­gen und be­las­ten die Ener­gie­ver­sor­ger exis­ten­zi­ell. Um In­sol­ven­zen und da­raus dro­hen­de Do­mi­no­ef­fekte in der Lie­fer­ket­te der Ener­gie­wirt­schaft bis hin zu den Letzt­ver­brau­chen­den zu ver­mei­den, hat die Bun­des­re­gie­rung sich da­zu ent­schie­den, den sal­dier­ten Preis­an­pas­sungs­me­cha­nis­mus des § 26 EnSiG zu nut­zen. Die­ser sieht ei­ne zeit­lich be­fris­te­te und un­ter stren­gen Vo­raus­set­zun­gen be­ste­hen­de Gas-Um­la­ge vor, mit der die hö­he­ren Prei­se an al­le Gas­lie­fe­ran­ten und de­ren Kun­den wei­ter­ge­ge­ben wer­den kön­nen. Die Um­la­ge ist für al­le Gas-Lie­fe­ran­ten gleich hoch. Zu­dem gilt sie für al­le Gas­men­gen und so­mit auch für Be­stands­ver­trä­ge.
 
Die Um­la­ge soll vo­raus­sicht­lich ab dem 01.10.2022 grei­fen und zeit­lich be­fris­tet bis zum 30.09.2024 gel­ten. In die­sem Gel­tungs­zeit­raum wer­den Er­stat­tungs­an­sprü­che der Un­ter­neh­men be­rück­sich­tigt, die bis zum 01.04.2024 ent­stan­den, gel­tend ge­macht und ge­prüft wor­den sind. Das heißt, der so­ge­nann­te Sal­die­rungs­zeit­raum ist der 01.10.2022 bis 01.04.2024. Die Zeit vom 01.04.2024 bis 30.09.2022 dient der ad­mi­nis­tra­ti­ven Ab­wick­lung.

Die Bun­des­re­gie­rung hat die Hö­he der Gas-Um­la­ge am 15.08.2022 auf 2,419 Cent je Ki­lo­watt­stun­de fest­ge­setzt, ver­teilt über al­le Gas­ver­brau­cher in Deutsch­land. Die Hö­he er­gibt sich un­ter an­de­rem aus den Preis­ent­wick­lun­gen auf dem Gas­markt so­wie aus An­zahl und Hö­he der gel­tend ge­mach­ten fi­nan­zi­el­len Aus­gleichs­an­sprü­che der Un­ter­neh­men, die Gas aus Russ­land im­por­tie­ren und Gas­men­gen nicht in der ver­ein­bar­ten Hö­he er­hal­ten. Für End­ver­brau­cher:in­nen sind laut Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Kli­ma­schutz Ent­las­tungs­maß­nah­men ge­plant.

Das Ener­gie­si­che­rungs­ge­setz (EnSiG) trat 1975 in Kraft und ist das Ge­setz zur Si­che­rung der Ener­gie­ver­sor­gung. Es sieht Vor­schrif­ten für den Fall vor, dass die Ener­gie­ver­sor­gung un­mit­tel­bar ge­fähr­det oder ge­stört und die Ge­fähr­dung oder Stö­rung der Ener­gie­ver­sor­gung durch markt­ge­rech­te Maß­nah­men nicht, nicht recht­zei­tig oder nur mit un­ver­hält­nis­mä­ßi­gen Mit­teln zu be­he­ben ist – mit dem Ziel: Die De­ckung des le­bens­wich­ti­gen Be­darfs an Ener­gie in die­sen Fäl­len zu si­chern.

No­vel­le des Ener­gie­si­che­rungs­ge­set­zes

Am 22. Mai 2022 trat die Reform des EnSiG in Kraft. Mit der No­vel­le will die Bun­des­re­gie­rung vor dem Hin­ter­grund des Krie­ges in der Ukraine die Rah­men­be­din­gun­gen für die Ener­gie­ver­sor­gungs­si­cher­heit ver­bes­sern.

So sol­len Ener­gie­ver­sor­ger:in­nen zeit­lich be­schränkt auf ei­ne fest­ge­stell­te Gas­man­gel­la­ge ih­re Prei­se auf dem Ni­veau der Er­satz­be­schaf­fung er­hö­hen dür­fen, wenn sie im Fal­le ver­min­der­ter Gas­lie­fe­run­gen ver­trag­lich ge­si­cher­te Men­gen am Markt be­sor­gen müs­sen. Ist die Gas­man­gel­la­ge über­wun­den, müs­sen die Ener­gie­ver­sor­ger:in­nen die Prei­se wie­der auf ein an­ge­mes­se­nes Ni­veau rück­an­pas­sen. Kun­den ha­ben wäh­rend der er­höh­ten Preis­pha­sen al­le zwei Mo­na­te ein An­recht da­rauf, die Über­prü­fung der Not­wen­dig­keit zu ver­lan­gen. Zu­dem wird ein staat­li­ches Preis­an­pas­sungs­mo­ni­to­ring durch­ge­führt, um sol­che Preis­an­pas­sun­gen eva­lu­ie­ren zu kön­nen.

Das Ge­setz stärkt zu­dem Re­geln, nach de­nen sich EU-Staa­ten bei Gas­ver­sor­gungs­eng­päs­sen aus­hel­fen. Auch Preis­ein­grif­fe des Staa­tes sind im Fal­le von aus­blei­ben­den Lie­fe­run­gen vor­ge­se­hen, um Si­tu­a­ti­o­nen vor­zu­beu­gen, in de­nen Lie­fer­aus­fäl­le da­zu füh­ren, dass sich Im­por­teure teuer am Markt ein­de­cken müs­sen, um Ver­pflich­tun­gen ein­zu­hal­ten, die­se Kos­ten aber aus ver­trag­li­chen Grün­den nicht wei­ter­ge­ben kön­nen. Die Norm soll groß­flä­chi­ge In­sol­ven­zen ver­hin­dern und nur gel­ten, wenn tat­säch­lich Lie­fe­run­gen im gro­ßen Stil aus­fal­len. 

Neu ist auch, dass es dem Bund er­mög­licht wer­den soll, Un­ter­neh­men, die ih­rem Ver­sor­gungs­auf­trag nicht nach­kom­men, un­ter Treu­hän­der­schaft zu stel­len und im Aus­nah­me­fall so­gar zu ent­eig­nen. Der Bun­des­tag soll bei ei­ner Ent­eig­nung ein­ge­bun­den wer­den und muss in­ner­halb von drei Sit­zungs­wo­chen zu­stim­men. Tut er das nicht, gilt die Zu­stim­mung als er­teilt.

Die Kurz­frist­ener­gie­ver­sor­gungs­si­che­rungs­maß­nah­men­ver­ord­nung – EnSikuMaV – re­gelt kurz­fris­tig um­zu­set­zen­de und be­fris­te­te Ener­gie­ein­spar­maß­nah­men im Ge­bäu­de­be­reich (Wohn­räu­me, Schwimm- oder Ba­de­be­cken, Nicht­wohn­ge­bäu­de und Bau­denk­mä­ler so­wie für Un­ter­neh­men) zur Stär­kung der Vor­sor­ge, um den Ein­tritt ei­ner Not­fall­si­tu­a­ti­on in die­sem und im nächs­ten Win­ter zu ver­mei­den. Die EnSikuMaV gilt für ei­nen Zeit­raum von sechs Mo­na­ten vom 1. Sep­tem­ber 2022 bis zum 28. Fe­bru­ar 2023. Gleich­zei­tig wird die Ver­ord­nung über mit­tel­fris­tig wirk­sa­me Ef­fi­zienz- und Ener­gie­ein­spar­maß­nah­men – EnSimiMaV – er­las­sen, die ab dem 1. Ok­to­ber 2022 über zwei Jah­re gel­ten soll und des­halb (Stand: 25.08.2022) noch der Zu­stim­mung des Bun­des­ra­tes be­darf. Bei­de Ver­ord­nun­gen bil­den ne­ben der Be­fül­lung der Gas­spei­cher und der Sen­kung des Erd­gas­ver­brauchs in der Strom­er­zeu­gung die drit­te Säu­le des Ener­gie­si­che­rungs­pa­kets und sol­len in den kom­men­den bei­den Jah­ren Ener­gie­kos­ten­ein­spa­run­gen bei pri­va­ten Haus­hal­ten, Un­ter­neh­men und der öf­fent­li­chen Hand in Hö­he von 10,8 Mil­li­ar­den Euro be­wir­ken. Die Ver­ord­nun­gen ba­sie­ren auf § 30 Ab­satz 1 des Ener­gie­si­che­rungs­ge­set­zes.

Die EnSikuMaV for­dert Mie­ten­de da­zu auf: 

  • die Heiz­tem­pe­ra­tur zu sen­ken (oh­ne da­bei Schä­den an der Miet­sa­che zu ver­ur­sa­chen)
  • auf die Be­hei­zung von pri­va­ten, nicht­ge­werb­li­chen, in­nen- oder au­ßen­lie­gen­den Schwimm- und Ba­de­be­cken ein­schließ­lich Auf­stell­be­cken mit Gas oder mit Strom aus dem Strom­netz zu ver­zich­ten (Aus­nah­me zwin­gend not­wen­di­ge the­ra­peu­ti­sche An­wen­dun­gen)

Für öf­fent­li­che Nicht­wohn­ge­bäu­de gel­ten fol­gen­de Maß­nah­men:

  • Ver­bot der Be­hei­zung von Ge­mein­schafts­flä­chen
  • Höchst­wer­te für die Luft­tem­pe­ra­tur in Ar­beits­räu­men 
  • Ein­schrän­kun­gen für den Be­trieb von Trink­was­ser­er­wär­mungs­an­la­gen
  • Ein­schrän­kun­gen für die Be­leuch­tung von Ge­bäu­den und Bau­denk­mä­lern

Un­ter­neh­men wer­den da­zu ver­pflich­tet:

  • In­for­ma­ti­ons­pflicht über Preis­stei­ge­run­gen für Ver­sor­ger und für Ei­gen­tü­mer von Wohn­ge­bäu­den
  • Vor­schrif­ten zur Nut­zung von La­den­tü­ren und Ein­gangs­sys­te­me im Ein­zel­han­del
  • Nut­zungs­ein­schrän­kung be­leuch­te­ter Wer­be­an­la­gen
  • Min­dest­wer­te der Luft­tem­pe­ra­tur für Ar­beits­räu­me in Ar­beits­stät­ten

Bei der Ener­gie­ein­spa­rung han­delt es sich um ei­ne Ge­mein­schafts­auf­ga­be von Po­li­tik, Un­ter­neh­men so­wie Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­chern. Je­de ein­ge­spar­te Ki­lo­watt­stun­de hilft ein Stück weit aus der Ab­hän­gig­keit von rus­si­schen Gas­lie­fe­run­gen he­raus.

Notfallplan Gas

Informationen für Gewerbe- und Industriekunden

Mit dem In­kraft­tre­ten der zwei­ten Stu­fe des Not­fall­plans Gas sind al­le Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, aber auch das Ge­wer­be und die In­dus­trie auf­ge­ru­fen, Ener­gie zu spa­ren. Je mehr Gas im Som­mer ein­ge­spart wird, des­to mehr kön­nen die Spei­cher be­füllt wer­den. Ak­tu­ell wird die Ver­sor­gungs­la­ge per­ma­nent ana­ly­siert und be­wer­tet. Dies ge­schieht un­ter der Ägi­de der Bun­des­netz­agen­tur (BNetzA). Be­reits in der Alarm­stu­fe kön­nen Maß­nah­men wie die Op­ti­mie­rung von Last­flüs­sen oder auch die Kür­zung oder Un­ter­bre­chung der Lie­fe­rung bei so­ge­nann­ten Ab­schalt­kun­den er­fol­gen.

Im Fal­le ei­ner Gas-Man­gel­la­ge bzw. der Not­fall­stu­fe wird die BNetzA zum Bun­des­last­ver­tei­ler. D. h., sie über­nimmt in en­ger Ab­stim­mung mit den Fern­lei­tungs­netz­be­trei­bern (FNB) in der Kri­se die Be­schaf­fung, Ver­tei­lung und Zu­tei­lung der Gas­men­ge. For­mal muss da­für die letz­te Stu­fe des Not­fall­plans Gas in Deutsch­land aus­ge­ru­fen wer­den. Der Bun­des­last­ver­tei­ler wird nach dem Ener­gie­si­che­rungs­ge­setz (EnSiG) ak­tiv, wenn die Not­fall­stu­fe ge­mäß der Ver­ord­nung (EU) 2017/1938 über Maß­nah­men zur Ge­währ­leis­tung der si­che­ren Gas­ver­sor­gung (sog. SoS-VO) und dem Not­fall­plan Gas von der Bun­des­re­gie­rung aus­ge­ru­fen wird. Ziel ist es, so­ge­nann­te Eng­pass­zo­nen auf­zu­lö­sen. Sind Kür­zun­gen nicht zu ver­mei­den, wer­den die­se grund­sätz­lich in die­ser Rei­hen­fol­ge vor­ge­nom­men:

  1. Nicht ge­schütz­te Kun­den
  2. Sys­tem­re­le­van­te Gas-Kraft­wer­ke
  3. Ge­schütz­te Kun­den

Eu­ro­pä­i­scher Gas-Not­fall­plan

Auch auf eu­ro­pä­i­scher Ebe­ne trat am 09.08.2022 ein ge­mein­sa­mer eu­ro­pä­i­scher Gas-Not­fall­plan in Kraft. Dem­nach sol­len al­le EU-Län­der ih­ren Gas­ver­brauch im Zeit­raum vom 1. Au­gust 2022 bis zum 31. März 2023 um min­des­tens 15 Pro­zent ge­gen­über dem Durch­schnitts­ver­brauch der letz­ten fünf Jah­re sen­ken. Soll­te nicht ge­nug ein­ge­spart wer­den und ein er­heb­li­ches Ri­si­ko ei­nes gra­vie­ren­den Eng­pas­ses bei der Gas­ver­sor­gung be­ste­hen oder es zu ei­ner au­ßer­ge­wöhn­lich ho­hen Nach­fra­ge nach Gas kom­men, kann ein EU-wei­ter Unions­alarm aus­ge­ru­fen wer­den, der zu ei­ner ver­pflich­ten­den Nach­fra­ge­sen­kung führt. Vo­raus­set­zung da­für ist die Zu­stim­mung von min­des­tens 15 EU-Län­dern, die zu­sam­men min­des­tens 65 Pro­zent der Ge­samt­be­völ­ke­rung der Union aus­ma­chen.
 
So­lan­ge der Unions­alarm aus­ge­ru­fen ist, muss der Gas­ver­brauch in je­dem Mit­glied­staat in dem Zeit­raum vom 1. Au­gust 2022 bis zum 31. März 2023 um 15 Pro­zent nie­dri­ger sein als der Re­fe­renz­gas­ver­brauch. Al­le Nach­fra­ge­sen­kun­gen, die die Mit­glied­staa­ten wäh­rend des Zeit­raums vor der Aus­ru­fung des Uni­ons­alarms er­reicht ha­ben, wer­den für die Zwe­cke der ver­pflich­ten­den Nach­fra­ge­sen­kung be­rück­sich­tigt.
 
Nach Zah­len der EU-Kom­mis­si­on müss­ten ins­ge­samt et­wa 45 Mil­li­ar­den Ku­bik­me­ter Gas ge­spart wer­den. Da­bei müss­te Deutsch­land rund 10 Mil­li­ar­den Ku­bik­me­ter Gas we­ni­ger ver­brau­chen, um das 15-Pro­zent-Ziel zu er­rei­chen.

Viele Maßnahmen gewährleisten eine sichere Gasversorgung

Um die De­ckung des le­bens­wich­ti­gen Be­darfs zu si­chern, kann die BNetzA im Rah­men der Not­fall­stu­fe Vor­ga­ben über Zu­tei­lung, Be­zug und Ver­wen­dung von Gas, zu Kür­zung des Ver­brauchs, zur Sub­sti­tu­ie­rung von Erd­gas durch an­de­re Ener­gie­trä­ger und zur Ab­schal­tung von In­dus­trie­kun­den tref­fen.

In den ver­gan­ge­nen Wo­chen hat die Bun­des­netz­agen­tur die er­for­der­li­chen Vor­be­rei­tun­gen für ih­re Rol­le als Bun­des­last­ver­tei­ler ge­trof­fen. Ge­mein­sam mit der In­dus­trie und der Ener­gie­wirt­schaft ent­wi­ckelt sie wei­te­re Not­fall­maß­nah­men für den Fall ei­ner Gas­man­gel­la­ge. Ak­tu­ell gibt es be­reits In­stru­men­te für die Re­du­zie­rung des in­dus­tri­el­len Gas-Ver­brauchs, die jetzt sinn­voll aus­ge­wei­tet und er­gänzt wer­den.

Der Bun­des­last­ver­tei­ler stellt die im über­re­gi­o­na­len öf­fent­li­chen In­te­res­se lie­gen­de Ver­sor­gung si­cher, führt ei­nen Aus­gleich der elek­tri­zi­täts- und gas­wirt­schaft­li­chen Be­dürf­nis­se und In­te­res­sen der Län­der her­bei oder re­gelt den Ein­satz von un­ter­ir­di­schen Gas­spei­chern und sons­ti­gen Gas­ver­sor­gungs­an­la­gen mit über­re­gi­o­na­ler Be­deu­tung (§ 4 Abs. 3 EnSiG).

Dies be­trifft ins­be­son­de­re die Ver­sor­gung der pri­vi­le­gier­te Kun­den­grup­pe (§ 53a EnWG), die nach EU- und na­ti­o­na­lem Recht ei­nen be­son­de­ren Schutz ge­nie­ßen.

Um die­ser Auf­ga­be ent­spre­chend nach­zu­kom­men, wird ei­ne um­fang­rei­che Da­ten­ba­sis ge­schaf­fen: die Si­cher­heits­platt­form Gas. Hier­zu er­folgt nun ei­nen mehr­stu­fi­ge Da­ten­er­he­bung:

  • Da­ten­ab­fra­ge bei den Gas­netz­be­trei­bern bis 28. April 2022
  • Da­ten­ab­fra­ge bei den deut­schen Gas­ver­brau­chern ab ei­ner Grö­ße von 10 MWh/h tech­ni­scher An­schluss­ka­pa­zi­tät im Mai 2022
  • fi­na­le In­be­trieb­nah­me der Si­cher­heits­platt­form Gas am 1. Ok­to­ber 2022 

Aus den Ab­fra­ge­er­geb­nis­sen wird kei­ne fes­te Ab­schalt­rei­hen­fol­ge ab­ge­lei­tet. Die Er­geb­nis­se er­mög­li­chen der Bun­des­netz­agen­tur, die Fol­gen von Maß­nah­men für die be­trof­fe­nen Letzt­ver­brau­cher und die Ge­sell­schaft best­mög­lich ein­schät­zen zu kön­nen und ein ef­fi­zien­tes Ma­na­ge­ment im Kri­sen­fall.

(Quelle: Bun­des­netz­agen­tur)

Die Bun­des­netz­agen­tur hat ei­nen Kri­te­rien­ka­ta­log un­ter der Über­schrift "Ab­wä­gungs­ent­schei­dung" ent­wi­ckelt, der in ei­ner Gas­not­la­ge da­bei un­ter­stüt­zen soll, ei­ne Ent­schei­dung leich­ter da­rü­ber zu tref­fen, in wel­cher Rei­hen­fol­ge Un­ter­neh­men von der Gas­ver­sor­gung ge­trennt wer­den könn­ten. Da­bei pri­o­ri­siert die Bun­des­netz­agen­tur Ab­schal­tun­gen, die gro­ße Ein­spar­ef­fek­te bei kur­zen Vor­lauf­zei­ten, mög­lichst ge­rin­gen Schä­den und ge­rin­gen Ein­schrän­kun­gen der Ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung ha­ben:

  • die "Dring­lich­keit der Maß­nah­me, ins­be­son­de­re in Ab­hän­gig­keit der Aus­prä­gung der Gas­man­gel­si­tu­a­ti­on"
  • die "Grö­ße der An­la­ge und de­ren Gas­be­zug und so­mit die Wir­kung ei­ner Gas­ver­sor­gungs­re­duk­ti­on"
  • die er­for­der­li­che "Vor­lauf­zeit zur Gas­be­zugs­re­duk­ti­on be­zie­hungs­wei­se ei­nes ge­ord­ne­ten He­run­ter­fah­rens der Pro­duk­ti­ons­an­la­gen"
  • die "zu er­war­ten­den volks- und be­triebs­wirt­schaft­li­chen Schä­den"
  • die "Kos­ten und Dauer der Wie­der­in­be­trieb­nah­me nach ei­ner Gas­ver­sor­gungs­re­duk­ti­on"
  • die "Be­deu­tung für die Ver­sor­gung der All­ge­mein­heit"

Die Bun­des­netz­agen­tur muss im Fal­le, dass ei­ne Gas­not­la­ge ein­trifft und so­mit die drit­te Stu­fe des Not­fall­plans Gas aus­ge­ru­fen wer­den wür­de, da­mit be­gin­nen, Gas an­hand des Aus­ma­ßes der vor­lie­gen­den Gas­man­gel­la­ge zu­zu­tei­len, um v. a. die Gas­ver­sor­gung der ge­schütz­ten Kun­den auf­recht­zu­er­hal­ten.

In­dus­trie- und Ge­wer­be­kun­den, ins­be­son­de­re Ver­brau­cher mit re­gis­trier­ter Leis­tungs­mes­sung (RLM-Kun­den) kön­nen als ers­tes von Last­ab­schal­tun­gen be­trof­fen sein. Da­rü­ber wer­den sie un­ver­züg­lich von ih­rem Netz­be­trei­ber in­for­miert – per E-Mail oder Fax gilt als aus­rei­chend. In­so­fern es tat­säch­lich zu ei­ner Gas-Kür­zung kom­men soll­te, wird der Netz­be­trei­ber schrift­lich da­zu auf­for­dern, in ei­nem vor­ge­ge­be­nem Zeit­fens­ter den Gas-Ver­brauch zu re­du­zie­ren. Dafür ist es notwendig, dass die aktuellen Kontaktdaten eines Ansprechpartners auf Kundenseite beim Netzbetreiber hinterlegt sind.

Noch im Som­mer 2022 soll ein Gas-Auk­ti­ons-Mo­dell ein­ge­führt wer­den, mit dem In­dus­trie­un­ter­neh­men fi­nan­zi­el­le An­rei­ze er­hal­ten sol­len, um Gas ein­zu­spa­ren. "Ziel ist es, dass in­dus­tri­el­le Ver­brau­cher an­ders als bis­her ih­re Ab­schalt­po­ten­zi­a­le dem Re­gel­markt zur Ver­fü­gung stel­len und so mög­lichst vie­le Men­gen für et­wa­i­ge Eng­pass­si­tu­a­ti­o­nen im kom­men­den Win­ter be­reit­zu­stel­len", heißt es bei der Bun­des­netz­agen­tur (BNetzA).

Ge­steu­ert wür­de die Aus­schrei­bung von ein­zu­spa­ren­den Gas­men­gen durch die BNetzA. In­dus­tri­el­le Un­ter­neh­men stel­len auf der Platt­form des Trading Hub Europe ihr An­ge­bot zur Be­reit­stel­lung von Gas­men­gen ein, die Kos­ten wür­den in ei­ner Auk­ti­on ge­re­gelt. Hier­bei er­hält das nie­drigs­te Ge­bot den Zu­schlag, da da­von aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass, wer kein ho­hes Ge­bot ab­gibt, auf Gas­men­gen ver­zich­ten kann. Der Staat kauft die­se frei­en Ka­pa­zi­tä­ten und spei­chert sie ein.

Faktenblatt Importembargo russisches Gas

Fakten zu den Auswirkungen eines Importverbotes für russisches Gas

Ein so­for­ti­ger Aus­stieg aus rus­sischem Gas könn­te teils dra­ma­tische Aus­wir­kun­gen auf den Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land und da­mit auf in­ter­na­ti­o­na­le Lie­fer­ket­ten ha­ben. Das Fak­ten­blatt zeigt die Mög­lich­kei­ten al­ter­na­ti­ver Be­schaf­fungs­rou­ten und die Ri­si­ken eines kurz­fris­ti­gen Im­port­em­bar­gos für rus­sisches Erd­gas auf.