Stromkosten: Über 30 Prozent teurer in zehn Jahren

Strom ist in Deutsch­land in den letz­ten zehn Jah­ren deut­lich teu­rer ge­wor­den – seit 2010 um mehr als 30 Pro­zent. Der Grund da­für ist we­ni­ger im Ener­gie­trä­ger selbst zu fin­den, son­dern in den vie­len neu­en Auf­ga­ben, die der Strom und vor al­lem der Strom­trans­port für die Ener­gie­wen­de er­fül­len müs­sen.

Strom aus Kern­kraft und Koh­le sind tra­di­ti­o­nell güns­tig, spie­len im Markt durch den im Frühjar 2023 beendeten Atom­aus­stieg und den bevorstehenden Ab­schied von der Koh­le ei­ne im­mer klei­ne­re Rol­le.

Wie hängen Gas- und Strompreis miteinander zusammen?

Der Strom­preis am Spot­markt ent­steht an der Strom­bör­se, wo die Prei­se für den je­wei­li­gen nächs­ten Tag er­mit­telt wer­den (Day Ahead-Markt). Die Preis­bil­dung folgt da­bei der Merit Order-Lo­gik: Die Ener­gie der Kraft­wer­ke wird bei täg­li­chen Auk­ti­o­nen zu ih­ren je­wei­li­gen Grenz­kos­ten an­ge­bo­ten. Das sind die va­ri­ab­len Kos­ten, wie z. B. Brenn­stoff- und CO2-Kos­ten. Auf der an­de­ren Sei­te ste­hen die Be­stel­lun­gen der Ener­gie­lie­fe­ran­ten, um ih­ren Strom­be­darf für den Fol­ge­tag zu de­cken.

Die An­ge­bo­te der Kraft­werks­be­trei­ber, wer­den nun in auf­stei­gen­der und die Nach­fra­ge in ab­stei­gen­der Rei­hen­fol­ge (Merit Order-Kur­ve) an­ge­ord­net. So wird das Kraft­werk er­mit­telt, dass ge­ra­de noch zur De­ckung des Ener­gie­be­darfs not­wen­dig ist. Der Strom­preis die­ses letz­ten Kraft­werks ist preis­set­zend für die ge­sam­te be­nö­tig­te Strom­men­ge.

Für Gas-Kkraft­wer­ke be­deu­tet das, dass sie preis­set­zend sind, wenn sie für die Be­reit­stel­lung des er­for­der­li­chen Stroms be­nö­tigt wer­den. Stei­gen die Prei­se oder auch der CO2-Preis, stei­gen auch die An­ge­bots­prei­se für Strom aus den Gas­-Kraft­wer­ken. Die Fol­ge ist, dass die ge­stie­ge­nen Gas­-Prei­se auch für ei­nen Preis­an­stieg am Strom­markt sor­gen.

Entwicklung des Strompreises

Im eu­ro­pä­i­schen Ver­gleich weist Deutsch­land die teu­ers­ten Strom­prei­se für Haus­halts­kund:innen auf. Für 2022 ha­ben sich die Ein­kaufs­prei­se für Strom auf dem Groß­han­dels­markt stark ver­teu­ert, so­dass sich die Be­schaf­fungs­kos­ten für die Ener­gie­ver­sor­ger deut­lich er­höht ha­ben. Auch das elek­tri­sche Hei­zen kann bei dem ak­tu­el­len Strom­preis schnell ein teu­res Ver­gnü­gen wer­den.

Der li­be­ra­li­sier­te Strom­markt er­mög­licht es den Ver­brau­cher:in­nen, ih­ren Strom­lie­fe­ran­ten frei zu wäh­len. Der durch­schnitt­li­che Preis ist al­ler­dings in den letz­ten Jah­ren deut­lich ge­stie­gen. Im eu­ro­pä­i­schen Ver­gleich wies Deutsch­land in­zwi­schen die teu­ers­ten Strom­prei­se für Haus­halts­kund:in­nen auf: 0,31 Euro zahl­ten die Deut­schen 2021 durch­schnitt­lich pro Ki­lo­watt­stun­de, im ersten Halbjahr 2022 stiegt der Preis auf über 37 ct/kWh. In vie­len an­de­ren eu­ro­pä­i­schen Län­dern la­gen die Strom­prei­se zwi­schen 0,20 und 0,25 Euro/­kWh, so zum Bei­spiel in Ita­lien, Groß­bri­tan­nien oder Spa­nien.

Preis­trei­ber bis zum Jahr 2021 war we­ni­ger der Groß­han­dels­preis, zu dem die An­bie­ter den Strom für ih­re Kund:in­nen an der eu­ro­pä­i­schen Strom­bör­se ein­kauf­ten. Der Strom­preis wur­de we­sent­lich von den wei­ter stei­gen­den Ab­ga­ben und Um­la­gen im Zu­sam­men­hang mit der Ener­gie­wen­de dik­tiert: Seit 1998 ist der An­teil von Steu­ern, Ab­ga­ben und Um­la­gen um 300 Pro­zent ge­wach­sen.

Mehr Strombedarf = steigender Preis

Um er­neu­er­ba­ren Strom aus dem wind­rei­chen Nor­den Deutsch­lands in die ener­gie­hun­gri­gen In­dus­trie­re­gi­o­nen im Sü­den zu trans­por­tie­ren, müs­sen lan­des­weit die Strom­net­ze um- und aus­ge­baut wer­den. Mit Strom sol­len künf­tig auch gro­ße Tei­le der Ener­gie­ver­sor­gung des Ver­kehrs­sek­tors be­wäl­tigt wer­den. Der not­wen­di­ge Um­bau des Ener­gie­sys­tems kos­tet viel Geld. Laut Netz­ent­wick­lungs­plan Strom wird von In­ves­ti­ti­ons­kos­ten in Hö­he von 145 Mil­li­ar­den Euro aus­ge­gan­gen – und das meis­te da­von zah­len die Ver­brau­cher:in­nen über ih­ren Strom­preis und vor al­lem über die da­rin ent­hal­te­nen Netz­ent­gel­te.

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Ver­gli­chen mit an­de­ren Ener­gie­prei­sen ist der Strom­preis recht kom­pli­ziert und be­steht aus meh­re­ren Kom­po­nen­ten. Wich­tig ist da­bei die Auf­tei­lung in Grund­preis und Ar­beits­preis: Über den Grund­preis wer­den die Ser­vice­leis­tun­gen des Strom­an­bie­ters fi­nan­ziert. Der Ar­beits­preis be­stand 2021 aus fol­gen­den Kom­po­nen­ten:

  • Strom­be­schaf­fung, Ver­trieb und Ge­winn­mar­ge ma­chen 21,7 % des Ge­samt­prei­ses aus.
  • Mit 24,1 % schla­gen die Netz­ent­gel­te in­klu­si­ve Ent­gel­te für Mes­sung, Mess­stel­len­be­trieb und Ab­rech­nung zu Bu­che.
  • Mit 52,5 % ma­chen Steu­ern, Ab­ga­ben und Um­la­gen den größ­ten Kos­ten­block beim Strom­preis aus. Ent­hal­ten in die­sen Kos­ten sind: 22,5 % Er­neu­er­ba­re-Ener­gien-Um­la­ge (EEG-Um­la­ge), 16 % Um­satz­steu­er, 6,8 % Strom­steu­er, 5,6 % Kon­zes­si­ons­ab­ga­be, 1,4 % Off­shore-Netz­um­la­ge, 1,2 % §19-Netz­ent­gel­te­ver­ord­nung-Um­la­ge zur Ent­las­tung ener­gie­in­ten­si­ver Be­trie­be (NEV-Um­la­ge) und 0,7 % Kraft-Wär­me-Kopp­lungs­ge­setz-Um­la­ge zur fi­nan­zi­el­len Ent­las­tung von KWK-An­la­gen. Zum 1. Juli 2022 ist die EEG-Umlage weggefallen.

Zusammensetzung Strompreis

Basierend auf dem durchschnittlichem Strompreis 2021 für Haushaltskunden von 32,63 ct/kWh

Quelle: Monitoringbericht 2021 von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt

Preistreiber Steuern, Abgaben und Umlagen

Die staat­li­chen Preis­be­stand­tei­le sind bei al­len Pri­vat­kund:in­nen gleich. Bei den Netz­ent­gel­ten und beim ei­gent­li­chen Preis für das Pro­dukt gibt es al­ler­dings gro­ße re­gi­o­na­le Un­ter­schie­de: Bei den Netz­ent­gel­ten liegt das häufig an der Be­völ­ke­rungs­dich­te und da­durch an den Ent­fer­nun­gen, über die der Strom zu den Ver­brau­cher:in­nen trans­por­tiert wer­den muss. Der Strom­trans­port zu weit ver­streu­ten Dör­fern in länd­li­chen Ge­bie­ten be­deu­tet mehr Auf­wand als die Ener­gie­ver­tei­lung in ei­ner dicht be­sie­del­ten Groß­stadt. Un­ter an­de­rem des­halb sind die Netz­ent­gel­te in vie­len Re­gi­o­nen Ost­deutsch­lands hö­her.

Der Preis für das ei­gent­li­che Pro­dukt wie­de­rum hängt vom Wett­be­werb ab: Je mehr An­bie­ter in ei­nem Netz­ge­biet ih­ren Strom ver­kau­fen wol­len, des­to nie­dri­ger sind in der Re­gel die Prei­se. Hier gibt es auch un­ter­schied­li­che Ta­ri­fe: Der so­ge­nann­te Grund­ver­sor­gungs­ta­rif hat sehr kur­ze Kün­di­gungs­fris­ten, ist aber teu­rer. Für güns­ti­ge­re An­ge­bo­te muss man sich län­ger an sei­nem Strom­an­bie­ter bin­den und ist als Kund:in des­halb we­ni­ger fle­xi­bel.

Strom als Heizenergie: Vorteile und Nachteile

Vor­tei­le von Strom

  • Kei­ne Be­vor­ra­tung von Brenn­stoff not­wen­dig
  • Kei­ne Vor­fi­nan­zie­rung der Lie­fe­rung, son­dern re­gel­mä­ßi­ge Ab­schlags­zah­lun­gen
  • Re­la­tiv nie­dri­ge In­ves­ti­ti­ons­kos­ten für die neue Hei­zung
  • Kein Bren­ner und kein Ab­gas­sys­tem not­wen­dig
  • Elek­tri­sche Wär­me­pum­pe: war­tungs­ar­me Tech­no­lo­gie
  • Kei­ne Fein­staub­emis­si­o­nen vor Ort
  • Lang­fris­tig nie­dri­ge CO2-Emis­si­o­nen durch den wach­sen­den An­teil von Strom aus er­neu­er­ba­ren Quel­len

Nachteile von Strom

  • Im Vergleich höchste laufende Betriebskosten
  • Starke Belastung des Strompreises durch Steuern, Abgaben und Umlagen
  • Mit aktuellem Strommix keine Umweltvorteile (hoher Anteil Kohlekraft)
  • Dezentrale Warmwasserbereitung bedeutet geringen Komfort und macht bei mehreren Verbrauchsstellen mehrere Heizungen nötig
  • Nachtspeicherheizungen verbrauchen sehr viel Strom, ein Verbot dieser Technologie wird seit Jahren diskutiert und war bereits beschlossen (der Beschluss wurde wieder aufgehoben)

Heizungen im Vergleich

Es gibt ei­ne gro­ße Viel­falt an Heiz­sys­te­men und Sie ha­ben die Qual der Wahl. Wel­che Hei­zung ist für Sie auch in den kom­men­den Jah­ren die rich­ti­ge?

Optimierung der Heizung

Es muss nicht im­mer gleich ei­ne neue Hei­zung sein. Die Op­ti­mie­rung des Heiz­sys­tem spart Ener­gie und schont so die Um­welt und den Geld­beu­tel.