Zukunft Biogas

Einfach erneuerbar tanken

Was kommt eigentlich nach Benzin und Diesel? Gegenfrage: Weshalb so lange warten? CNG und Bio-CNG machen den Verkehr schon heute fit für die Zukunft und bieten noch viel Potenzial. Damit sind sie die idealen Kraftstoffe.

Biogas – Sicher und sauber fahren

Biogas ist ein Naturprodukt, das durch die Veredelung von Roh-Biogas, welches aus biologischer Restmasse und Energiepflanzen gewonnen wird, entsteht. Der Unterschied zwischen beiden Energieträgern liegt im Methangehalt. Bei reinem Roh-Biogas liegt er zwischen 40 und 75 Prozent. Biogas hingegen wird auf einen Methananteil von mindestens 96 Prozent angereichert. Damit hat es dieselben chemischen Eigenschaften wie das konventionelle Erdgas. Wegen dieser identischen Beschaffenheit kann es in beliebiger Menge in das Erdgas-Netz geleitet und auch dort gespeichert werden. Gleiches gilt für synthetisches Erdgas, welches aus überschüssiger Wind- und Solarenergie produziert werden kann.

Mit CNG und Bio-CNG

Schnelle und klimafreundliche Verkehrswende

Biogas (auch Bio-Erdgas oder Bio-CNG genannt), welches als Kraftstoff zum Einsatz kommt, wird nahezu ausschließlich aus organischen Rest- und Abfallstoffen gewonnen und bietet damit eine echte klimaneutrale Alternative zu fossilen Brennstoffen. Es hat eine ausgewogene CO2-Bilanz und setzt nicht mehr Kohlendioxid frei, als die Pflanzen während ihres Wachstums über die Photosynthese aufgenommen haben. Durch den Einsatz von 100 Prozent Biogas im Verkehrssektor können die gesamten Treibhausgas-Emissionen eines Fahrzeugs um bis zu 97 Prozent gesenkt werden. Sowohl CNG als auch Biogas sind übrigens deutlich günstiger im Preis, denn ein Kilo CNG liefert 1,5 mal so viel Energie wie ein Liter Super Benzin. So macht das Tanken gleichzeitig Spaß und ein gutes Gewissen. Biogas spart aber nicht nur CO2, sondern ist auch bei der Kostenbilanz vorbildlich: Die Tankrechnung wird durch Bio-CNG nicht teurer, da es zum Preis von konventionellem Erdgas angeboten wird. Von der CO2-Steuer ist der erneuerbare Kraftstoff Bio-CNG befreit. An über 50 Prozent der CNG-Tankstellen in Deutschland kann bereits 100 Prozent Biogas getankt werden.

Leistungsstarke und umweltschonende Gas-Fahrzeuge

Gas-Motoren: leistungsfähig und umweltschonend

Emissionsarme Verbrennung, leistungsfähige Technik – der grüne Kraftstoff Biogas trifft auf eine ausgereifte Technologie: Im Vergleich zum Benziner schneidet bereits CNG mit 25 Prozent weniger CO2-Emissionen und 10 Prozent geringerem Stickoxid-Ausstoß deutlich besser ab. Bei Diesel werden die Stickoxide um 96 Prozent reduziert. Da Biogas und Erdgas chemisch identisch sind, können Erdgas-Fahrzeuge problemlos mit erneuerbarem Biogas betrankt werden. Durch die Verwendung von reinem Bio-CNG, sinkt der CO2-Ausstoß fast auf Null. Stickoxide oder Feinstaub werden von Erdgas-Motoren nur in minimalen Mengen erzeugt. Die Motorleistung wird davon in keiner Weise beeinträchtigt.

Erdgas-Fahrzeuge sind seit Jahren erprobt. Mit ihren 130 Oktan (Super Benzin hat 95) haben CNG und Bio-CNG als Kraftstoff eine hohe Klopffestigkeit, die sich günstig für den Motor auswirkt. Er läuft wesentlich ruhiger und geräuschärmer. Ein gutes Argument vor allem im Stadtverkehr. Zahlreiche Hersteller bieten Fahrzeugmodelle verschiedener Größe und Motorleistung serienmäßig an. Aus dem alternativen Kraftstoffmix der Zukunft ist Biogas deshalb nicht wegzudenken.

Einfach erneuerbar tanken

Gas wird zunehmend erneuerbar: heute Biogas, morgen Power-to-Gas und Wasserstoff. Durch den steten Zuwachs an grünem Gas verbessert sich die Klimabilanz von Erdgas immer weiter. Biogas für den Verkehr wird in über 200 Biogasaufbereitungsanlagen in Deutschland aus biologischen Rest- und Abfallstoffen sowie aus landwirtschaftlichen Rohstoffen nachhaltig gewonnen und ist somit unerschöpflich. Im Gegensatz zu Biodiesel oder Bioethanol kann Biogas in beliebigen Mengen dem Kraftstoff CNG begemischt werden. Dadurch sinken die Emissionen auf ein Niveau, das Gas-Fahrzeuge konkurrenzfähig gegenüber Elektroantrieben macht.

Eine weitere wichtige Rolle werden künftig synthetisches Gas und Wasserstoff spielen, welche mithilfe des Power-to-Gas Verfahrens aus überschüssigem Solar- und Windstrom gewonnen wird. Heute werden aufgrund fehlender saisonaler Stromspeicher Wind- und Solarparks abgeschaltet, der nicht produzierte Strom wird dennoch an die Betreiber vergütet. Die Power-to-Gas-Technologie ermöglicht die langfristige Speicherung von Erneuerbarem Strom.

Minderungsquote für Treibhausgase

Unternehmen die flüssige Otto- und Dieselkraftstoffe vermarkten, sind zur Erfüllung einer Treibhausgasvermeidung verpflichtet. Diese Verpflichtung wird primär durch die Beimischung flüssiger Biokraftstoffe, wie Biodiesel oder Bioethanol erfüllt. Alternativ kann diese Verpflichtung auch an Dritte, bspw. an Betreiber von Erdgas-Tankstellen übertragen werden. Hierdurch können attraktive Zusatzerlöse erzielt werden. Bisher bestand diese Möglichkeit nur für Anlagenbetreiber, die Biogas als Kraftstoff vermarkten.

Mit der 38. BImSchV erweitert der Gesetzgeber ab 2018 die Erfüllungsoptionen, sodass neben Biogas (Biomethan) nun auch u. a. Erdgas und Strom auf die gesetzliche Verpflichtung zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen angerechnet werden können und hierdurch Zusatzerlöse ermöglicht werden.

Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchV)

Das Bundes-Immissionsschutzgesetz sah bisher vor, dass der erneuerbare Anteil an der Gesamtmenge des Kraftstoffes, den ein quotenverpflichtetes Unternehmen in Verkehr bringt, mindestens 6,25 Prozent betragen muss. Mit der Umstellung auf eine Treibhausgasminderungsquote im Jahr 2015 fokussiert die Bundesregierung auf das Treibhausgasvermeidungspotenzial nachhaltiger Biokraftstoffe. Von nun an galt, je höher die Treibhausgaseinsparung eines (Bio)Kraftstoffes ist, umso höher dessen Marktwert. Dementsprechend ist nicht mehr nur die Menge des Biokraftstoffes maßgebend, sondern auch die spezifische Treibhausgaseinsparung gegenüber des fossilen Referenzwertes. Biomethan profitiert von dieser Umstellung in besonderem Maß, da dieses mit etwa 85 Prozent die höchste spezifische Treibhausgaseinsparung mit sich bringt. In den Jahren 2017 bis 2019 mussten die Treibhausgasemissionen der gesamten abgesetzten Kraftstoffmenge (Otto-, Diesel- und Biokraftstoff), die von einem Unternehmen in den Verkehr gebracht werden, um vier Prozent gesenkt werden. Ab dem Jahr 2020 erhöht sich die Verpflichtung zur Treibhausgaseinsparung auf sechs Prozent.

Mit Blick auf die zukünftig erforderliche Treibhausgasvermeidung, wird es für Mineralölunternehmen immer interessanter, ihre Verpflichtungen an Dritte (u. a. Betreiber von CNG-Tankstellen) zu übertragen.

Mit der 38. BImSchV setzt die Bundesregierung im Dezember 2017 die europäische Kraftstoffqualitätsrichtlinie (FQD) und die Erneuerbare-Energien Richtlinie (RED) in nationales Recht um ( FQD (98/70/EG i. d. F. der RL 2015/1513 und RL 2015/652); RED (2009/28/EG i. d. F. der RL 2015/1513)). Neben der o. g. Treibhausgasvermeidung muss zudem ab 2020 ein energetischer Anteil erneuerbarer Energien i. H. v. 10 Prozent sichergestellt werden, wobei die Verwendung von konventionellen Biokraftstoffen, hergestellt aus Nahrungsmittelpflanzen zukünftig auf maximal 6,5 Prozent begrenzt wird.


Kurzfristig haben folgende Neuerungen eine hohe Relevanz für die Betreiber von CNG-Tankstellen

Einerseits erhöht sich für Mineralölunternehmen der spezifische Emissionsbasiswert für alle in Verkehr gebrachten Kraftstoffe und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen. Dadurch erhöht sich wiederum der Treibhausgasminderungsbedarf zur Erreichung der genannten Zielvorgabe von derzeit sechs Prozent ab 2020. Andererseits berücksichtigt die 38. BImSchV neue Optionen zur Erfüllung der Treibhausgasminderungsquote. Hierzu zählen auch emissionsarme fossile Energieträger, u. a. CNG und LNG, aber auch LPG und Strom. Die spezifischen Treibhausgasemissionen dieser Kraftstoffe sind geringer als der fossile Emissionsbasiswert, sodass durch deren Vermarktung nun ebenfalls eine Anrechnung auf die geforderten Treibhausgasminderungsziele möglich wird. Betreiber von Erdgas-Tankstellen können ab 2018 Zusatzerlöse erzielen, indem sie die gesetzliche Verpflichtung zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen der Mineralölunternehmen ganz oder teilweise übernehmen. Weiter verpflichtet die 38. BImSchV zu einem energetischen Mindestanteil besonders fortschrittlicher Kraftstoffe. Dieser beträgt ab 2020 zunächst 0,05 Prozent und wird schrittweise auf 0,5 Prozent ab 2025 erhöht. Zu dieser Zielerreichung kann nachhaltig erzeugtes Biomethan aus Rest- und Abfallstoffen einen bedeutenden Beitrag leisten.

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