Erdgas in der Industrie

Gas ist der wichtigste Energieträger

Die In­dus­trie ist ein wich­ti­ger Grund­pfei­ler für den Wohl­stand in Deutsch­land. Sie trug 2021 rund ein Drit­tel zum Brutto­in­lands­pro­dukt bei. Es be­darf in den kom­men­den Jah­ren gro­ßer In­ves­ti­tionen, da­mit die In­dus­trie kli­ma­neu­tral wird und gleich­zei­tig wett­be­werbs­fä­hig bleibt. Da­bei ist die Si­che­rung des In­dus­trie­stand­or­tes Deutsch­land und der Er­halt von über sie­ben Mil­li­o­nen Ar­beits­plät­zen im ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­be zwin­gend er­for­der­lich.

Energieverwendung in der Industrie

Knapp ein Drit­tel der Ener­gie, die die deut­sche In­dus­trie 2020 ver­brauch­te, wur­de mit Erd­gas er­zeugt. Das macht Erd­gas mit Ab­stand zum wich­tigsten in­dus­tri­el­len Ener­gie­trä­ger.

Unverzichtbarer Bestandteil für industrielle Prozesse

Rund 1,8 Mil­li­o­nen In­dus­trie- und Ge­wer­be­kun­den wer­den über das Ver­teil­netz mit Gas ver­sorgt, hin­zu­kom­men ca. 500 Groß­kun­den, die di­rekt über das Fern­lei­tungs­netz be­lie­fert wer­den. Nicht nur die vor­han­de­ne In­fra­struk­tur spricht für den Ener­gie­trä­ger, son­dern auch die ho­he Ener­gie­ef­fi­zienz von Gas-An­wen­dun­gen. Für vie­le in­dus­tri­el­le An­wen­dun­gen ist der viel­sei­tig und fle­xi­bel ein­setz­ba­re Ener­gie­trä­ger Gas un­ver­zicht­bar.

  • Mit ei­nem An­teil von über 55 Pro­zent dient Er­dgas der in­dus­tri­el­len Wär­me­er­zeu­gung und kommt bei un­ter­schied­li­chen Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren zum Ein­satz, die Dampf, hei­ßes Was­ser, Hit­ze oder Käl­te er­for­dern. Gro­ße Ver­brau­cher sind zum Bei­spiel die Glas- und Ke­ra­mik­in­dus­trie, die kons­tant punkt­ge­naue Tem­pe­ra­tu­ren be­nö­tigt oder die Pa­pier­her­stel­lung so­wie die Au­to­in­dus­trie, für de­ren spe­zi­fi­sche Trock­nungs­pro­zes­se Gas ver­wen­det wird. Aber auch in an­de­ren Be­rei­chen wie der Le­bens­mit­tel­pro­duk­tion kommt Gas in ener­gie­in­ten­si­ven Pro­zes­sen wie z. B. beim Ba­cken, Tro­cknen, Ga­ren und Küh­len zum Ein­satz.
  • Rund 20 Pro­zent des in­dus­tri­ell ver­brauch­ten Erd­ga­ses wird zur Strom­er­zeu­gung in pro­duk­ti­ons­na­hen In­dus­trie­kraft­wer­ken ein­ge­setzt. Da­bei lie­fern gas­be­trie­be­ne Kraft-Wär­me-Kopp­lungs­an­la­gen zu­ver­läs­sig und be­darfs­ge­recht Ener­gie und de­cken mitt­ler­wei­le et­wa die Hälf­te der in­dus­tri­el­len Ei­gen­strom­pro­duk­tion.
  • Erd­gas wird auch als Ein­satz­stoff ge­nutzt, um vor al­lem Am­mo­ni­ak, Was­ser­stoff oder Methanol her­zu­stel­len. Die­se Grund­stof­fe sind für die Pro­duk­tion von Dün­ger, kon­ven­ti­o­nel­len Kraft­stof­fen wie Die­sel oder di­ver­sen Kunst­stof­fen un­ver­zicht­bar. Die stoff­li­che Nut­zung macht ei­nen An­teil von 11 Pro­zent des Erd­gas­ab­sat­zes in der In­dus­trie aus.

 

Erdgasverbrauch der Industrie

Die che­mi­sche In­dus­trie in Deutsch­land ist mit ca. 120 TWh pro Jahr Gas­be­darf mit Ab­stand der größ­te in­dus­tri­el­le Gas-Ver­brau­cher. Et­wa 80 TWh/a die­ses Be­darfs wer­den ener­ge­tisch und ca 40 TWh/a stoff­lich ver­wer­tet.

Deutschland braucht eine klimaneutrale und wettbewerbsfähige Industrie

Im Ver­gleich zu 1990 konn­te die In­dus­trie ihre Treib­haus­gas-Emis­si­o­nen um 36 Pro­zent re­du­zie­ren und gleich­zei­tig die Brut­to­wert­schöp­fung deut­lich stei­gern. Bis zum er­klär­ten Ziel der Kli­ma­neu­tra­li­tät Deutsch­lands ist es je­doch noch ein wei­ter Weg. Al­le tech­ni­schen Op­ti­o­nen müs­sen ge­nutzt wer­den, um die­ses in gut zwei De­ka­den er­rei­chen zu kön­nen.

Al­lein durch die ste­ti­ge Stei­ge­rung der Ener­gie­ef­fi­zienz wird die In­dus­trie nicht kli­ma­neu­tral. Ein Fuel Switch ist er­for­der­lich. Pro­zes­se, die elek­tri­fi­ziert wer­den kön­nen, müs­sen von Koh­le und Erd­öl auf Strom aus er­neu­er­ba­ren Quel­len um­ge­stellt wer­den. Gas wird in vie­len ener­gie­in­ten­si­ven In­dus­trie­pro­zes­sen je­doch un­ver­zicht­bar blei­ben. Da­mit die In­dus­trie CO2-neu­tral wird, muss da­her auch Gas kli­ma­neu­tral wer­den. Erd­gas-Sub­sti­tu­te, wie Was­ser­stoff und Bio­gas, wer­den ei­ne ent­schei­den­de Rol­le da­bei spie­len, die In­dus­trie zu de­kar­bo­ni­sie­ren und gut be­zahl­te Ar­beits­plät­ze in Deutsch­land zu er­hal­ten.

Die­se Trans­for­ma­tion des In­dus­trie­stand­or­tes Deutsch­land ist nicht ohne Ri­si­ko. Denn um das Net-Zero-Ziel zu er­rei­chen, müs­sen Un­ter­neh­men er­heb­lich in ihre An­la­gen­parks in­ves­tie­ren und gan­ze Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se neu auf­set­zen. Frü­her oder spä­ter müs­sen die­se In­ves­ti­ti­o­nen wie­der er­wirt­schaf­tet wer­den. Gleich­zei­tig ste­hen vie­le In­dus­trie­be­trie­be im in­ter­na­ti­o­na­len Wett­be­werb und kön­nen kos­ten­sei­tig un­ter Druck ge­ra­ten. Im Zu­ge der Ener­gie­wen­de muss es des­halb ge­lin­gen den Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land so wett­be­werbs­fä­hig wie mög­lich zu hal­ten, die Ab­wan­de­rung von CO2-in­ten­si­ven Un­ter­neh­men in nicht-EU Dritt­staaten, das so­ge­nann­te Carbon Leakage zu ver­mei­den und die da­mit ver­bun­de­nen Ar­beits­platz­ver­lus­te so klein wie mög­lich zu hal­ten. Grü­nes Gas ist die Lö­sung da­für.