Erdgas in der Industrie

Mit Gas auf dem Weg in ein grünes Industriezeitalter

Kurz- und mit­tel­fris­tig ist und bleibt Erd­gas ein un­ver­zicht­ba­rer Be­stand­teil der Ener­gie­ver­sor­gung un­se­rer In­dus­trie: Oh­ne Gas wür­den wich­ti­ge Pro­zess- und Lie­fer­ket­ten so­fort un­ter­bro­chen. Au­ßer­dem öff­net Gas die Tür zum grü­nen In­dus­trie­zeit­al­ter, denn lang­fris­tig über­nimmt kli­ma­neu­tra­ler Was­ser­stoff sei­ne Auf­ga­ben.

Gas ist ein unverzichtbarer Erfolgsfaktor

Deutsch­land ist ei­ne In­dus­trie­na­ti­on. Deut­sche Un­ter­neh­men pro­du­zie­ren Wa­ren, Bau- und Werk­stof­fe für die gan­ze Welt: 2021 wur­den Pro­duk­te im Wert von 1,375 Bil­li­o­nen Euro ex­por­tiert. Die Ex­port­kraft un­se­res Lan­des ba­siert auf der In­dus­trie. Und die Pro­duk­ti­ons­kraft un­se­rer In­dus­trie ba­siert auf Gas.

Nur mit Gas lässt sich der enor­me Ener­gie­be­darf un­se­rer In­dus­trie de­cken: 2020 stell­te Gas fast ein Drit­tel der in deut­schen Fa­bri­ken und Pro­duk­ti­ons­an­la­gen ge­nutz­ten Ener­gie be­reit. Gas kommt bei un­ter­schied­li­chen Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren zum Ein­satz, die Dampf, hei­ßes Was­ser, Hit­ze oder Käl­te er­for­dern. Gas lie­fert zum Bei­spiel die Pro­zess­wär­me, mit der Stahl aus Ei­sen­erz ge­won­nen oder Glas ge­schmol­zen wird. Gro­ße Ver­brau­chen­de sind auch die Pa­pier­her­stel­lung so­wie die Au­to­in­dus­trie, für de­ren spe­zi­fi­sche Trock­nungs­pro­zes­se Gas ver­wen­det wird. Aber auch in an­de­ren Be­rei­chen wie der Le­bens­mit­tel­pro­duk­ti­on kommt Gas in ener­gie­in­ten­si­ven Pro­zes­sen zum Ein­satz: beim Ba­cken, Trock­nen, Ga­ren oder Küh­len.

An­de­rer­seits ist Gas Aus­gangs­stoff für zahl­rei­che Pro­duk­te zum Bei­spiel in der che­mi­schen In­dus­trie. Sei­ne Viel­sei­tig­keit macht Gas zu ei­nem un­ver­zicht­ba­ren Be­stand­teil für ei­ne gan­ze Rei­he von in­dus­tri­el­len Pro­zess- und Wert­schöp­fungs­ket­ten.

Notfallplan Gas

Am 23. Juni 2022 hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Kli­ma­schutz die Alarm­stu­fe des Not­fall­plans Gas aus­ge­ru­fen. Trotz er­heb­li­cher Lie­fer­kür­zun­gen sei­tens Russ­land ist die Ver­sor­gungs­si­cher­heit wei­ter­hin ge­währ­leis­tet. Die Bun­des­netz­agen­tur be­fin­det sich mit In­dus­trie und Ener­gie­wirt­schaft im ste­ten Aus­tausch.

Gas hält Industriebetriebe im Land und erhält Arbeitsplätze

Gas­ba­sier­te Lö­sun­gen für die In­dus­trie bie­ten auch Um­welt­vor­tei­le: Mit Erd­gas ist der CO2-Aus­stoß bei vie­len In­dus­trie­pro­zes­sen ge­rin­ger als mit an­de­ren fos­si­len Ener­gie­trä­gern. Das wie­de­rum hält vie­le ener­gie­in­ten­si­ve Un­ter­neh­men in Deutsch­land, denn mit Gas kön­nen sie die hier­zu­lan­de gel­ten­den Schad­stoff-Grenz­wer­te ein­hal­ten. Da­durch müs­sen sie ih­re Pro­duk­ti­ons­stät­ten nicht ins Aus­land ver­la­gern, wo die Grenz­wer­te even­tu­ell we­ni­ger streng sind. So schont Gas al­so auch das glo­ba­le CO2-Bud­get.

Erd­gas­ver­brauch in der In­dus­trie

Den höchs­ten Be­darf in Deutsch­land hat die che­mi­sche In­dus­trie: Fast 30 Pro­zent des Gas­ver­brauchs im In­dus­trie­sek­tor ge­hen auf ihr Kon­to.

Gas: wichtiger Rohstoff der chemischen Industrie

Gas als Rohstoff

Für vie­le Pro­zes­se in der che­mi­schen In­dus­trie ist der Ener­gie­trä­ger Gas als Roh­stoff un­ver­zicht­bar – zum Bei­spiel für die Her­stel­lung von Am­mo­ni­ak.

Ohne Gas kann kein qualitativ hochwertiges Gas hergestellt werden

Gas als Prozesswärme

Der Ener­gie­trä­ger Erd­gas wird viel­sei­tig in In­dus­trie und Ge­wer­be ein­ge­setzt. Gas ist ins­be­son­de­re auf­grund vie­ler spe­zi­a­li­sier­ter Pro­zes­se un­ver­zicht­bar.

Papiertrockung mit Gas

Papier braucht Gas

Für die Papierherstellung sind viele Gas-Anwendungen elementar. Für z. B. die Papiertrocknung kann künftig Wasserstoff verwendet werden.

Gas-Versorgung hält die Industrie und unser Land am Laufen

Die In­dus­trie trägt 21 Pro­zent zum deut­schen Brut­to­in­lands­pro­dukt bei und bie­tet fast ei­nem Fünf­tel der in Deutsch­land be­schäf­tig­ten Men­schen ei­nen Ar­beits­platz. Um­so wich­ti­ger ist es, dass die Ver­sor­gung der Un­ter­neh­men mit Gas auch wei­ter­hin si­cher und zu­ver­läs­sig er­folgt. Denn ei­nen mas­sen­haf­ten Still­stand von Ma­schi­nen, ei­ne län­ger­fris­ti­ge Un­ter­bre­chung von Pro­zess­ket­ten oder gar ei­nen Aus­fall gan­zer In­dus­trie­zwei­ge kann sich Deutsch­land nicht leis­ten. Ein Bei­spiel: Die Schmelz­wan­nen in der Glas­in­dus­trie be­nö­ti­gen un­un­ter­bro­chen ei­ne ho­he Wär­me­zu­fuhr, um die be­nö­tig­te Tem­pe­ra­tur von ca. 1.650 Grad Cel­si­us zu er­rei­chen, bei der Glas ver­ar­bei­tet wer­den kann. Die­ses kons­tant ho­he Tem­pe­ra­tur­ni­veau geht nur mit Gas.

Wer­den die In­dus­trie­un­ter­neh­men nicht mehr mit Gas be­lie­fert, bre­chen nicht nur be­triebs­in­ter­ne Ver­ar­bei­tungs­ket­ten zu­sam­men. Auch die Zu­lie­fe­rer der Un­ter­neh­men müs­sen ih­re Leis­tung re­du­zie­ren oder ganz he­run­ter­fah­ren. Ein Gas-Lie­fer­stopp oder ein Em­bar­go wür­de au­ßer­dem zahl­rei­che Be­trie­be und da­mit Ar­beits­plät­ze in der Wei­ter­ver­ar­bei­tung ex­trem hart tref­fen. Die sich da­raus er­ge­ben­den Kas­ka­den­ef­fek­te be­schrän­ken sich auch nicht nur auf Deutsch­land: Vie­le in­ter­na­ti­o­na­le Lie­fer­ket­ten hän­gen eben­falls am Gas und an den Pro­duk­ten, die da­mit oder da­raus in Deutsch­land her­ge­stellt wer­den.

Gas ermöglicht hochspezialisierte Produktionsverfahren

We­ni­ger als 8 Pro­zent des in­dus­tri­el­len Gas-Ver­brauchs in Deutsch­land könn­ten nach ei­ner Er­he­bung des Bun­des­ver­bands der Ener­gie- und Was­ser­wirt­schaft kurz­fris­tig, al­so bis Herbst/­Win­ter 2022 aus an­de­ren Quel­len be­dient wer­den. Das liegt da­ran, dass vie­le In­dus­trie­be­trie­be ih­re Ef­fi­zienz­po­ten­zi­a­le be­reits aus­ge­schöpft ha­ben: Sie kön­nen ih­ren Gas-Ver­brauch nicht noch wei­ter re­du­zie­ren. An­de­rer­seits las­sen sich vie­le hoch­spe­zi­a­li­sier­te Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren nicht kurz­fris­tig oder gar nicht auf an­de­re Ener­gie­trä­ger wie Koh­le oder Strom um­stel­len. Die für Deutsch­land enorm wich­ti­ge che­mi­sche In­dus­trie könn­te so­gar nur 4 Pro­zent ih­res Gas-Ver­brauchs kurz­fris­tig sub­sti­tu­ie­ren. Sie stellt zum Bei­spiel Dün­ger für die Nah­rungs­mit­tel­pro­duk­ti­on oder Ba­sis­stof­fe für vie­le le­bens­wich­ti­ge Me­di­ka­men­te her.

Für vie­le in­dus­tri­el­le An­wen­dun­gen ist der viel­sei­tig und fle­xi­bel ein­setz­ba­re Ener­gie­trä­ger Gas al­so un­ver­zicht­bar. Um der In­dus­trie stets ei­ne si­che­re Ver­sor­gung bie­ten zu kön­nen, ist die wei­te­re Di­ver­si­fi­zie­rung der Be­zugs­quel­len von Gas, die Pla­nung und der Bau deut­scher LNG-Ter­mi­nals so­wie der Aus­bau von wei­te­ren Ener­gie­part­ner­schaf­ten wich­tig.

Mit Wasserstoff wird unsere Industrie klimaneutral

Al­le tech­ni­schen Op­ti­o­nen müs­sen ge­nutzt wer­den, um das Ziel der Kli­ma­neu­tra­li­tät in gut zwei De­ka­den auch in der In­dus­trie er­rei­chen zu kön­nen. Da­für muss auch Gas kli­ma­neu­tral wer­den. Erd­gas-Sub­sti­tu­te wie Was­ser­stoff und Bio­gas wer­den ei­ne ent­schei­den­de Rol­le da­bei spie­len, die In­dus­trie zu de­kar­bo­ni­sie­ren und gut be­zahl­te Ar­beits­plät­ze in Deutsch­land zu er­hal­ten.

Für zahl­rei­che in­dus­tri­el­le Pro­zes­se wird Was­ser­stoff heu­te noch über die Dampf­re­for­mie­rung aus fos­si­lem Erd­gas ge­won­nen. In Zu­kunft wird die­ser Was­ser­stoff ent­we­der aus er­neu­er­ba­ren Quel­len er­zeugt oder er wird de­kar­bo­ni­siert, das heißt: Das bei der H2-Er­zeu­gung an­fal­len­de CO2 wird ab­ge­trennt und ent­we­der ein­ge­la­gert oder als Koh­len­stoff ver­wer­tet.

Die In­dus­trie bie­tet ein rie­si­ges Po­ten­zi­al, um gro­ße Tei­le der deut­schen Wirt­schaft kli­ma­neu­tral zu ma­chen. 113 Mil­li­o­nen Ton­nen CO2 emit­tier­te die In­dus­trie im Jahr 2020. Wür­den die 31,2 Pro­zent Ener­gie­be­darf aus Gas auf Bio­gas und Was­ser­stoff um­ge­stellt wer­den, wür­de das in re­la­tiv kur­zer Zeit über 30 Mil­li­o­nen Ton­nen CO2 ein­spa­ren – das sind ge­nau die gro­ßen Schrit­te, die wir in Deutsch­land und der Welt drin­gend be­nö­ti­gen, um die Kli­ma­zie­le zu er­rei­chen.

Die Trans­for­ma­ti­on des In­dus­trie­stand­or­tes Deutsch­land ist nicht oh­ne Ri­si­ko. Denn um das Net-Zero-Ziel zu er­rei­chen, müs­sen Un­ter­neh­men er­heb­lich in ih­re An­la­gen­parks in­ves­tie­ren und gan­ze Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se neu auf­set­zen. Frü­her oder spä­ter müs­sen die­se In­ves­ti­ti­o­nen wie­der er­wirt­schaf­tet wer­den. Gleich­zei­tig ste­hen vie­le In­dus­trie­be­trie­be im in­ter­na­ti­o­na­len Wett­be­werb und kön­nen kos­ten­sei­tig un­ter Druck ge­ra­ten. Im Zu­ge der Ener­gie­wen­de muss es des­halb ge­lin­gen, den Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land so wett­be­werbs­fä­hig wie mög­lich zu hal­ten. De­kar­bo­ni­sier­tes und er­neu­er­ba­res Gas ist ei­ne Lö­sung da­für.

Gasmagazin von Zukunft Gas

Neue Ausgabe vom Gasmagazin

Die Ti­tel­ge­schich­te wid­met sich in die­ser Aus­ga­be der In­dus­trie: Denn sie ist in Deutsch­land der Haupt­ab­neh­mer von Gas. Das The­ma be­trifft auch die Po­li­tik, wes­halb wir mit MdB Timon Gremmels (SPD) eben­falls über die Erd­gas­ver­sor­gung der In­dus­trie so­wie die Di­ver­si­fi­ka­ti­on der Gas­be­zugs­quel­len ge­spro­chen ha­ben. Für letz­te­res spielt auch der Auf­bau ei­ner LNG-In­fra­struk­tur ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Da­her bli­cken wir in der Re­por­ta­ge auf die LNG-Vor­ha­ben an den deut­schen Küs­ten. Mit Kirsten Westphal bli­cken wir auch in die Zu­kunft und stel­len die Fra­ge: Wel­che neu­en in­ter­na­ti­o­na­len Ener­gie­part­ner­schaf­ten brau­chen wir, da­mit wir künf­tig Was­ser­stoff im­por­tie­ren kön­nen?