Pressemitteilung,

Neue Studie: Wasserstoff entfesseln und rechtspolitisch groß denken

  • Studie wurde vom Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) und con|energy consult erarbeitet
  • Sie schlägt der Bundesregierung 13 rechtspolitische Maßnahmen vor, um den Wasserstoffhochlauf zu beschleunigen
  • Kehler: „Mit dem Rechtsrahmen steht oder fällt die Wasserstoffwirtschaft: Eine einheitliche europäische Begriffsdefinition von Wasserstoff, ein Herkunftsnachweissystem für den Handel und die Aufnahme von Wasserstoff in das Gebäudeenergiegesetz haben jetzt Priorität.“
  • Schäfer-Stradowsky: „Wir haben konkrete Vorschläge dazu erarbeitet, was jetzt politisch geschehen muss, um den Gasbereich als wichtigen Baustein der Energiewende zügig klimaneutral zu gestalten.“
  • Baer: „Mit dem Ziel des Koalitionsvertrages ab 2025 nur noch Heizungen mit einem Mindestanteil von 65 Prozent erneuerbarer Energie einzubauen, bleibt vielen Menschen keine Chance zur Dekarbonisierung.“

Essen, 21. Juni 2022. Eine einheitliche europäische Begriffsdefinition von Wasserstoff, ein Herkunftsnachweissystem für den Handel und die Aufnahme von Wasserstoff in das Gebäudeenergiegesetz: Dies sind die die wichtigsten Hebel, um den Wasserstoffhochlauf in Deutschland zu gewährleisten. Das sind die Ergebnisse einer heute veröffentlichten Studie zum Thema. Im Rahmen einer Pressekonferenz parallel zum Auftakt der e-World stellte Zukunft Gas gemeinsam mit dem Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) und der Gelsenwasser AG die Ergebnisse vor.

Die Studie mit dem Titel „Wasserstoff entfesseln – welchen Rahmen braucht der Markthochlauf“ beleuchtet rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Aufbau der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland. Zukunft Gas hat die Studie in Auftrag gegeben, um mehr Klarheit in die zum Teil unübersichtliche Gesetzeslage zu bringen. Dr. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Gas, erklärt: „Der rechtliche Rahmen für Wasserstoff ist hoch komplex: Er erstreckt sich von der EU bis zur nationalen Gesetzgebung und findet sich in Gesetzen zu Erdgas, Erneuerbaren Energien, der Energiewirtschaft und sektorspezifischer Gesetzgebung.“

In der Studie wurden mit zahlreichen Akteuren der Gaswirtschaft die größten Hemmnisse für einen Wasserstoffhochlauf identifiziert. Für die 13 wichtigsten Hemmnisse wurden rechtspolitische Maßnahmen entwickelt und dann nach Wirksamkeit und Umsetzungsaufwand kategorisiert. „Mit der Studie wurde ein wichtiger Überblick geschaffen, um die legislativen Hürden aufzuheben. Nur ein ganzheitlicher Blick auf die Gesetzgebung ermöglicht, im Gesetzes-Dschungel die richtigen Entscheidungen zu treffen. Am Ende steht oder fällt eine Wasserstoffwirtschaft mit dem Rechtsrahmen, denn am Umsetzungswillen der Gasunternehmen mangelt es nicht“, so Kehler.

Die Studie umfasst rechtspolitische Handlungsempfehlungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Wasserstoff. Nach der Kategorisierung der Maßnahmen ermöglichen drei eine besonders hohe Strahlkraft für den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft. Dr. Simon Schäfer-Stradowsky, Geschäftsführer des IKEM und federführend für die Studie verantwortlich, fasste die wichtigsten Erkenntnisse zusammen: „Wir haben konkrete Vorschläge dazu erarbeitet, was jetzt politisch geschehen muss, um den Gasbereich als wichtigen Baustein der Energiewende zügig klimaneutral zu gestalten. Es gibt bereits unzählige Studien und politische Strategien zum Thema, jedoch geschah bis jetzt bei weitem nicht genug, um die Ziele wirklich umzusetzen. Unsere Vorschläge integrieren sich perfekt in das aktuelle EU-Recht, bieten eine präzise Strategie und sind durch die Zusammenarbeit mit 'Zukunft Gas' mit den Stakeholdern aus der Branche abgestimmt.“ Dr. Håvard Nymoen, Geschäftsführer von con|energy consult ergänzt: „Die Schlüsselmaßnahmen sind eine klare, europäische Definition von ‚renewable‘ und ‚low carbon‘, Wasserstoff mit realistischen Anforderungen sowie die Einführung eines Herkunftsnachweissystems, um einen europäischen Handel zu ermöglichen. Auf nationaler Ebene ist es nun allerhöchste Zeit, dass die Klimawirkung von Wasserstoff Einzug in das Gebäudeenergiegesetz hält.“

Dr. Arnt Baer, Leiter Politik und Verbände beim kommunalen Versorger Gelsenwasser AG, machte anhand von konkreten Beispielen aus seinem Unternehmen deutlich, was die aktuellen regulatorischen Rahmenbedingungen in der Umsetzung bedeuten und zeigte auf, welche Verbesserungen die Handlungsempfehlungen des Gutachtens zur Folge hätten: „Die Aufnahme von Wasserstoff in das Gebäudeenergiegesetz scheint mir für die Wärmewende im Versorgungsgebiet der Gelsenwasser notwendig. Die Hälfte der Deutschen heizt mit Gas, hier ist es nicht anders. Mit dem Ziel des Koalitionsvertrages ab 2025 nur noch Heizungen mit einem Mindestanteil von 65 Prozent erneuerbarer Energie einzubauen, bleibt vielen Menschen keine Chance, sich zu dekarbonisieren. Viele Bestandsbauten müssten umfangreich saniert werden, das können und wollen sie gerade jetzt nicht leisten. Und auch die Stromnetze müssten vor einem großräumigen Einsatz von Wärmepumpen ausgebaut werden. Die Politik sollte offen an das Thema rangehen und grünen Wasserstoff als Alternative zulassen!“

Zur Studie

Zukunft Gas ist der Bran­chen­ver­band der deut­schen Gas-Wirt­schaft. Er bün­delt die In­te­res­sen der Mit­glie­der und tritt ge­gen­über Öf­fent­lich­keit, Po­li­tik und Ver­brau­chern auf. Ge­mein­sam mit den Mit­glieds­un­ter­neh­men setzt sich der Ver­band da­für ein, dass die Po­ten­zi­a­le des Ener­gie­trä­gers so­wie der be­ste­hen­den Gas­in­fra­struk­tur ge­nutzt wer­de, und in­for­miert über die Chan­cen und Mög­lich­kei­ten, die Erd­gas und grü­nes Gas wie Was­ser­stoff und Bio­gas für un­se­re Ge­sell­schaft bie­ten. Ge­tra­gen wird der Ver­band von füh­ren­den Un­ter­neh­men der Gas-Wirt­schaft. Wei­te­re Bran­chen­ver­bän­de und die Heiz­ge­rä­te­in­dus­trie un­ter­stüt­zen Zukunft Gas als Part­ner.

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