Stromerzeugung in Deutschland

Gas-Kraftwerke als zuverlässiges Back-up

Die Stromerzeugung in Deutschland verändert sich derzeit grund­legend: 2023 wird der Aus­stieg aus der Kern­energie voll­endet und idealer­weise bis 2030 – spätestens 2038 – das letzte Kohle­kraft­werk in Deutsch­land vom Netz genommen. Doch schon bis zum Jahr 2030 wird ein sig­ni­fi­kan­ter Teil der Kohle­ver­stromung aus dem Netz gehen und zeit­gleich soll der Anteil der er­neu­er­baren Energien bei der Strom­er­zeugung auf 65 Prozent an­wachsen.

Kohleausstieg ist der wichtigste Baustein zum Erreichen der Klimaziele 2030

Kohle trägt aktuell (2021) einen Anteil von 80 Prozent an den deutschen CO2-Emissionen im Strommarkt. Nicht nur für die Welt, auch für Deutschland ist ein Ausstieg aus der Kohle der größte Hebel im Kampf gegen den Klimawandel. Nach aktuellen Zahlen entfallen 59 Prozent der CO2-Emissionen im Strommarkt auf Braunkohle und 21 Prozent auf Steinkohle – insgesamt also 80 Prozent. Auf Gas entfallen hingegen lediglich 20 Prozent der CO2-Emissionen in diesem Sektor. 2020 machten Braunkohle und Erdgas jeweils 16 Prozent der Stromerzeugung aus. Angesichts der unterschiedlichen CO2-Emissionen wird hier deutlich, welches Potenzial in einem vorgezogenen Kohleausstieg liegt.

Gas ist der klimaschonendste fossile Brennstoff und spielt daher eine zentrale Rolle auf einem bezahlbaren und umsetzbaren Weg in die Klimaneutralität. Will die Menschheit das 1,5 Grad-Ziel erreichen und die Erderwärmung deutlich begrenzen, bleibt für Deutschland noch ein verbleibendes CO2-Budget von 3,25 Milliarden Tonnen. 

Uns läuft die Zeit davon. Wir müssen endlich Maßnahmen ergreifen, die schnell wirken. Mit Gas als CO2-ärmsten unter den fossilen Brennstoffen können wir mit dem verbleibenden CO2-Budget die meiste Energie erzeugen. Wir gewinnen wertvolle Zeit, um die Energiewende bezahlbar, sicher und vor allem realistisch umzusetzen. Und in der Zukunft kann Erdgas durch Wasserstoff ersetzt werden und so für eine klimaneutrale Stromerzeugung sorgen.

Dr. Timm Kehler, Vorstand Zukunft Gas
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Die Stromwende ist ein gigantischer Umbau mit einem klaren Ziel: die CO2-Emissionen des Stromsektors weiter zu reduzieren – langfristig auf null. Neben der Emissionsreduktion steht auch das Thema Versorgungssicherheit oben auf der Agenda. Denn erneuerbare Energie ist witterungsabhängig und kaum speicherbar.

Versorgungssicherheit statt kalter Dunkelflaute

Die Lücke zwischen dem Weggang der Atomkraft und Kohle sowie dem Zubau von Erneuerbaren müssen Gas-Kraftwerke füllen. Denn wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, hat Deutschland ohne Gas-Kraftwerke ein Versorgungsproblem. Gerade im Winter, wenn es kalt und dunkel ist, verbrauchen die Deutschen noch mehr Strom als sonst.

Gas­-Kraft­werke sind inner­halb weniger Minuten einsatz­bereit und können die schwankende Ein­speisung von erneuer­baren Ener­gien aus­gleichen. Das macht sie zu idealen Partnern für die Erneuer­baren.

Gas-Kraftwerke sichern auch in Zukunft die Stromversorgung in Deutschland

Klimaschonenden Gas-Kraftwerken kommt deshalb in den nächsten Jahren eine wachsende Bedeutung zu: Sie stoßen bis zu 70 Prozent weniger CO2 aus als Kohlekraftwerke.

2021 geriet der Coal-to-gas-Switch in Deutschland ins Stocken. Während Gas-Krafwerke 2020 insgesamt 16 Prozent der Stromversorgung ausmachten, wurde in 2021 wieder deutlich mehr Strom mit Braun- und Stromkohle erzeugt.

Für Energiewende und Klimaschutz ist das ein kein positives Signal. Bis zur nächsten Klimazielmarke 2030 muss der CO2-Ausstoß in Deutschland um mindestens 122 Millionen Tonnen pro Jahr sinken. Die geplante Reduktion wird nur gelingen, wenn der Zubau bei den Erneuerbaren forciert wird und die noch bestehenden Kohlekraftwerke zügig durch effiziente und klimaschonende Gas-Kraftwerke ersetzt werden. Experten, Politikern und der Branche ist klar: Ohne den Fuel Switch von Kohle zu Gas wird die Stromwende nicht funktionieren.   

Bruttostromerzeugung nach Energieträgern 2021

Erdgas im deutschen Strommix

Quelle: AGEB; Stand: Dezember 2021

Gesicherte Stromversorgung auch bei Dunkelflaute

Klimaschutz und Energiewende dürfen aber nicht dazu führen, dass die Zuverlässigkeit der Stromversorgung eine untergeordnete Rolle spielt. Die Stromerzeugung von erneuerbaren Energien schwankt je nach Witterung stark. Auch in Zeiten einer Dunkelflaute – also zum Beispiel an kalten, windstillen Winterabenden – müssen genügend regelbare Back-up-Kapazitäten bereitstehen, damit keine Versorgungslücken entstehen.

Hocheffiziente Gas-Kraftwerke sind hier der ideale Partner der Erneuerbaren. Denn von einer witterungsunabhängigen Stromversorgung ausschließlich mit erneuerbaren Energien sind wir noch weit entfernt.

Gas-Kraftwerke gleichen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien aus

Gas-Kraftwerke gleichen als Back-up die schwankende Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien aus. Dafür sind sie nicht nur nötig, sondern auch hervorragend geeignet: Gas-Kraftwerke liefern emissionsarmen Strom, sie sind regelbar und hochflexibel und springen bei Bedarf schnell ein, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht.

Ein Gas-Kraftwerk ist sehr schnell auf Volllast hochgefahren und lässt sich auch schnell wieder herunterfahren, wenn der Strombedarf sinkt oder wieder mehr Strom aus erneuerbaren Energien zur Verfügung steht. Das macht emissionsarme Gas-Kraftwerke zu einem idealen Partner der Erneuerbaren.

Aus den Schornsteinen von Gas-Kraftwerken entweicht bis zu 70 Prozent weniger CO2 als aus Braunkohlekraftwerken. Außerdem liefern Gas-Kraftwerke systemrelevante Dienstleistungen wie zum Beispiel die Blindleistung, also die Energie, die unter anderem dazu benötigt wird, das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch im Stromnetz stabil zu halten, wenn Erneuerbare nicht ins Netz einspeisen.

Schwarzstartfähigkeit von Gas-Kraftwerken

Gas-Kraftwerke sind schwarzstartfähig, das heißt: Sie können zum Beispiel bei einem Blackout ohne externe Energiezufuhr wieder angefahren werden und Deutschland innerhalb weniger Minuten wieder mit Strom versorgen. Gas-Kraftwerke können somit vollständig autonom die Stromversorgung wiederherstellen und sind der ideale Partner der Erneuerbaren Energien: Neben geringen Emissionen und Flexibilität sind sie auch besonders resilient.