Stromversorgung jederzeit sichern

Mit dem steigenden Anteil von Strom aus erneuerbarer Erzeugung nimmt gleichzeitig die Bedeutung von regelbarer gesicherter Leistung zu: Wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, müssen witterungsunabhängige Kraftwerke einspringen. Aktuell sind in Deutschland über 90 Gigawatt (GW) an gesicherter Kraftwerkskapazität installiert – genug, um die deutsche Spitzenlast von ca. 80 GW an Tagen mit besonders hoher Nachfrage zu bedienen.

Versorgungslücke von bis zu 50 Gigawatt

Doch im Zuge des Ausstiegs aus Kernkraft und Kohle werden bis zum Jahr 2030 mehr als 30 GW an gesicherter Leistung vom Netz gehen. Derzeit ist ein Zubau von regelbaren Kraftwerkskapazitäten in Höhe von neun Gigawatt geplant. Es droht also eine Versorgungslücke, die – betrachtet man die prognostizierten Spitzenlasten für die kommenden Jahre – bis zu 50 Gigawatt groß werden könnte.

Um diese Lücke zu schließen, ist die Fortsetzung des Fuel Switchs von Kohle zu Gas ebenso notwendig wie der Bau neuer Gaskraftwerke. Allerdings werden Investoren nur dann Bau und Betrieb solcher Kraftwerke finanzieren, wenn ein rentabler Betrieb der Anlagen in Aussicht steht. Dies ist allerdings zweifelhaft, solange in Deutschland die Vergütung der Stromerzeugung über einen Energy-Only-Markt geregelt wird.

Strommarkt: Vergütung für Kapazitäten?

Das Energy-Only-Marktdesign bedeutet, dass die Bereitstellung von Reservekapazitäten aktuell nicht vergütet wird – im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern, die sich für ein anderes Marktmodell entschieden haben oder ein solches planen. Die Bedeutung dieser Reservekapazitäten wird in Zukunft zunehmen, denn es muss auch dann eine zuverlässige Stromversorgung garantiert sein, wenn die erneuerbaren Energien während einer Dunkelflaute nicht genügend Strom erzeugen.

Eine Ergänzung des aktuellen Strommarktdesigns durch einen Kapazitätsmechanismus kann eine sinnvolle Lösung sein, um den Zubau von Gaskraftwerkskapazitäten anzureizen und so das Entstehen einer Versorgungslücke in Deutschland zu vermeiden. Dies würde außerdem die verschiedenen europäischen Marktmodelle und -mechanismen harmonisieren.

Zukunft Gas hat Anfang 2020 gemeinsam mit dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln (EWI) eine Studie zu diesem Thema vorgelegt, die verschiedene Kapazitätsmodelle beleuchtet. Damit ist die Grundlage für eine offene Diskussion über ein neues Strommarktdesign geschaffen.

Die wird nötig sein, denn wenn man Planungs- und Bauzeiten neuer Gaskraftwerke berücksichtigt, sollten die ersten Investitionsentscheidungen bis spätestens Anfang 2022 gefallen sein, damit Deutschlands Strommarkt 2030 bereit ist und die Stromversorgung auch langfristig so zuverlässig funktioniert, wie es die Menschen in unserem Land gewohnt sind. Daneben bleibt die Stromerzeugung mit Erdgas auch in kleineren Maßstäben relevant: zum Beispiel in Mikro-KWK-Anlagen oder in Brennstoffzellen.

Kapazitätsmechanismen in Europa

Maßnahmen für mehr Versorgungssicherheit

Mit der EWI-Studie "Diskussion zukünftiger Herausforderungen von Versorgungssicherheit im Strommarkt 2.0" wurde eine wichtige Grundlage für die Debatte um ein künftiges Strommarktdesign geschaffen. Wie ein zukunftsfähiges Design für den deutschen Strommarkt aussehen kann, stellen wir in der Broschüre vor.

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