Nachhaltige Binnenschifffahrt

Schlummerndes Potenzial auf Rhein, Main und Elbe

Schon seit 2010 fährt die "Argonon" unter niederländischer Flagge auf deutschen Seestraßen. Als erstes Binnenschiff, das mit einem Gemisch aus LNG und Diesel betrieben wird, ist sie seitdem zwischen Rotterdam und Basel unterwegs. Der Diesel kommt dabei nur für die Zündung der Motoren zum Einsatz – so kann die "Argonon" ihren Ausstoß von Stickoxiden um 40 Prozent senken. Feinstaub wird nahezu gar nicht emittiert. Damit ist das Bunkerschiff auf deutschen Binnengewässern jedoch leider noch eine Ausnahme. Derzeit sind gerade mal fünf gasbetriebene Binnenschiffe im europäischen Wassernetz im Einsatz. Um den Bestand dieser umweltfreundlichen Antriebsart bei den Binnenschiffen zu erhöhen, wurden in den vergangenen zwei Jahren erste zukunftsweise Infrastrukturprojekte umgesetzt.

Zwei LNG-Bunkerstationen wurden zur Betankung von LNG-Binnenschiffen in Deutschland errichtet

Zur Betankung von LNG-betriebenen Binnenschiffen auf dem Rhein errichtete die Firma PitPoint LNG mit Unterstützung des EU-Infrastrukturförderprogramms CEF im Hafen Köln-Niehl die erste europäischen LNG-Bunkerstation in Europa. Im Vergleich zur diskontinuierlichen Betankung per Lkw ermöglicht die Anlage eine höhere Flexibilität durch die 24/7 Verfügbarkeit über leistungsstarke Pumpen. Versorgt werden zunächst die von Shell gecharterten Dual-Fuel-Binnentanker. Bisher fand die Betankung der Schiffe per Lkw im Mannheimer Hafen statt.

Im Oktober 2020 eröffnete dann der Tankstellenbetreiber LIQUIND im Duisburger Parallelhafen eine weitere LNG-Großtankstelle, welche zunächst für die Betankung von LNG-Lkw dient. Ab 2021 ist über diese Anlage auch die Betankung von Binnenschiffen vorgesehen.

Die Häfen in Brunsbüttel und Hamburg bieten derzeit die LNG-Bebunkerung von Schiffen im Truck-to-ship-Verfahren an. Der Ausbau der Infrastruktur und die Investition in landseitige Bebunkerungsanlagen wie in Köln und Duisburg sind wichtige Voraussetzungen für die Umsetzung einer umweltschonenden Schifffahrt.

Unsere Nachbarn sind da weiter: Der Zusammenschluss "Durchbruch für den Einsatz von LNG in der Binnenschifffahrt" ist ein von der EU gefördertes niederländisches Projekt. Zehn Projektpartner arbeiten im Rahmen dieses Konsortiums mit Hochdruck an LNG-Lösungen für die Binnenschifffahrt. Dazu zählen umfassende Forschung zu Investitionen und Business Cases sowie eigene Pilotprojekte: Sechs LNG-betriebene Schiffe sowie vier Bunkerstationen werden entlang der europäischen Hauptwasserstraßen bereits getestet.

Durch diese Pionierarbeit erkennen auch in der Bundesrepublik mittlerweile immer mehr Akteure den Nachholbedarf in Sachen Umweltschutz auf den Gewässern – sei es auf Flüssen, Seen oder in Hafenstädten an der Nord- und Ostsee.

Mit LNG vom Wattenmeer bis zum Bodensee – und rund um den Globus

Schon vor drei Jahren hat der Umweltschutz bei der Borkumfähre "MS Ostfriesland" an Fahrt aufgenommen: Zwar transportiert sie schon seit 1985 Passagiere und Pkw auf dem Wattenmeer zwischen Emden und Borkum. 2015 wurde das Schiff jedoch als erste Fähre deutschlandweit auf den Antrieb mit LNG umgerüstet. Und auch am anderen Ende Deutschlands macht LNG als Treibstoff Schule: Die Stadtwerke Konstanz setzen seit 2020 die gasbetriebene Fähre "FS 2020" im Pendelverkehr zwischen Meersburg und Konstanz auf dem Bodensee ein.

Ganz besonderen Belastungen in Sachen Luftqualität ist jedoch die Hansestadt Hamburg als Standort des drittgrößten Containerhafens Europas ausgesetzt: Mehr als 9.000 Fracht- und Kreuzfahrtschiffe laufen den Hafen jährlich an und tragen zum Ausstoß von Schadstoffen bei. Als unmittelbar Leidtragende der Luftverschmutzung hat die Stadt daher reagiert und den Umstieg auf LNG als Maßnahme in ihren Luftreinhalteplan aufgenommen. Bis 2025 sollen fünf Prozent aller Hochseeschiffe, die den Hafen anlaufen, auf den Antrieb mit LNG umgerüstet sein.

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