LNG-Terminal in Deutschland

Ein echtes Novum: Deutschland plant den Bau des ersten deutschen Flüssig­­erdgas-Ter­minals. Der finale Stand­ort wird noch gesucht. In der engeren Aus­wahl stehen zur­zeit Brunsbüttel sowie im kleineren Um­fang Rostock und Stade.

Ein LNG-Terminal ist der logistische Knotenpunkt für Entladung von LNG-Tankern, für die Regasifizierung und Einspeisung in das Gas-Netz oder die verflüssigte Einlagerung in Tanks sowie für den Weitertransport von flüssigem Erdgas in Kesselwagen und Bunkerschiffen.

In einer LNG-Anlage wird flüssiges Erdgas gespeichert und bei Bedarf in gasförmiges Erdgas umgewandelt.

LNG-Tanker transportieren in kugelförmigen Tanks verflüssigtes Erdgas und sind eine flexible Alternative zum Pipeline-Transport. Aktuell werden LNG-Tanker mit einem Tankvolumen von bis zu 250.000 m3 geplant.

LNG ist verflüssigtes Erdgas oder auch Biogas, dass per Schiff global transportiert wird. Es kann dann vor Ort direkt als Kraftstoff für Lkw, Busse und See- und Binnenschiffe, als Prozessgas für Industrieunternehmen verwendet oder wieder erwärmt und ins nationale Gas-Netz eingespeist werden.

Über die Gas-Infrastruktur kann es zu den Verbrauchern transportiert und in Heizungsanlagen oder beispielsweise in Blockheizkraftwerken zur Stromerzeugung genutzt werden. Und langfristig, mit der zunehmenden Verfügbarkeit von grünem Gas wie Biogas und Wasserstoff, wird emissionsarmes LNG sogar CO2-neutral werden.

Weniger Emissionen, mehr Flexibilität

Um die Bezugsquellen über den reinen Pipeline-Import zu erweitern, bedarf es neuer Wege und die finden sich über den Anschluss an den internationalen LNG-Markt. So könnte dann auch Gas aus anderen Regionen importiert werden, die bisher nicht per Pipeline an den deutschen Markt angebunden sind. In 2019 importierte Europa 108 bcm (Billion cubic metres of natural gas) LNG, davon kamen 23,7 bcm aus Katar, 14,1 bcm aus Algerien und 12,2 Prozent aus Nigeria. Aus den USA bezog Europa lediglich 2,6 bcm LNG.

Aktuell verfügt Europa über Import-Terminals (Regasifizierungsanlagen) mit einer Kapazität von 241 Milliarden Kubikmeter, womit etwa 40 Prozent des europäischen Erdgas-Bedarfs gedeckt werden könnten. Die Kapazitäten werden jedoch nicht ausgeschöpft. Bereits 36 LNG-Terminals gibt es in Europa, weitere befinden sich in Bau und Planung. Die Zeichen für den flächendeckenden Einsatz von emissionsarmem LNG stehen gut und Europa verfügt so schon heute über eine gut ausgebaute Infrastruktur. Der Aufbau von deutschen LNG-Terminals trägt zum weiteren Ausbau der Energiedrehscheibe Nordwesteuropas bei.

Expertenthema

Planungen für ein deutsches LNG-Terminal

Deutschland ist bisher wenig im LNG-Markt positioniert und profitiert hauptsächlich vom europäischen Binnenmarkt. Das soll sich ändern – gerade, weil LNG zum Hoffnungsträger der Verkehrswende, der Wettbewerb im Gas-Sektor gestärkt sowie die Versorgungssicherheit erhöht werden könnte.

Schon im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD hat sich die Bundesregierung klar zum Ausbau von Initiativen zugunsten alternativer Kraftstoffe wie LNG bekannt, um einen umweltverträglichen, wirtschaftlichen und wettbewerbsfähigen Schiffsverkehr sicherzustellen. Eine entsprechende Förderrichtlinie für die Aus- und Umrüstung von Seeschiffen zur Nutzung von LNG wurde 2017 bereits verabschiedet. Und der Bund geht mit gutem Beispiel voran: Als weltweit erstes seegängiges Behördenschiff soll die "ATAIR" für Forschungs- und Vermessungszwecke ab 2020 mit LNG in der Nord- und Ostsee unterwegs sein.

Mit der neuen Flüssiggas-Verordnung wurde die Versorgungssicherheit in Deutschland weiter gestärkt.

LNG-Importterminal in Brunsbüttel

Die Planungen für den kombinierten Import- und Distributionsterminal in Brunsbüttel gehen weiter. Die German LNG Terminal GmbH beabsichtigte zum 30. Juni 2021 den Antrag auf Planfeststellung für die Errichtung eines Hafens zum Umschlag von LNG am Standort Brunsbüttel beim Amt für Planfeststellung Verkehr (APV) in Kiel einzureichen.

Antragsgegenstand ist u. a. ein Schiffsanleger mit zwei Anlegemöglichkeiten für Schiffe bis zur QMax-Größe sowie Anlagen zur Verteilung des LNG per Tankkraftwagen, Eisenbahnkesselwagen und kleineren Schiffen. Die eingereichten Unterlagen dienen auch der Feststellung der Zulässigkeit des geplanten Terminals am Standort Brunsbüttel.

Projektmerkmale LNG-Terminal Brunsbüttel

  • Netz-Einspeisekapazität des Terminals: bis zu 8 Mrd. Nm3 Erdgas pro Jahr
  • Speicherkapazität: zwei Tanks mit jeweils 165.000 m3
  • Empfang und Löschen von Tankern bis zu Q-Max Größe
  • LNG-Regasifizierungsanlage
  • Landseitiger Pipeline-Ausbau: rund 60 km

Im Oktober 2019 konnte Brunsbüttel bereits eine Premiere feiern: Das weltgrößte Bunkerschiff "Kairos" hat den Laderaumsaugbagger Scheldt River mit 300 m3 LNG direkt bebunkert. Bislang fand die Betankung per Lkw statt.

Perspektivisch könnte das geplante Importterminal auch zum Aufbau einer Infrastruktur für Wasserstoff und grüne Gase beitragen. Die Möglichkeit zusätzlich grüne Energie – sowohl in Reinform als auch in Form eines Wasserstoffderivats wie beispielsweise Ammoniak – zu importieren, würde das Ziel der Klimaneutralität unterstützen.

LNG-Plattform

Mit dem Len­­kungs­­kreis LNG hat Zukunft Gas eine Platt­­form ge­­schaf­­fen, in der die ver­­schie­­denen Akteure der LNG-Branche ein ge­­mein­­sames Vor­­gehen in stra­­te­gischen Fra­­gen ge­­gen­­über Politik und Öffent­­lich­­keit als Ziel de­­fi­nieren. Zukunft Gas be­g­rüßt die Mit­­glied­­schaft und Unter­­stützung wei­terer Akteure.

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