Dekarbonisierung des Wärmemarkts mit Gas

Deutschlandweit sind immer noch drei von vier Heizungen veraltet. Der Wärmemarkt bietet ein gewaltiges Potenzial zur Emissionsminderung.

Potenzial Wärmemarkt

Alles Strom? Ein teurer Irrweg

Bei der Energiewende wird zu viel nur über Strom gesprochen. Dabei ist die Vollelektrifizierung eine teure Sackgasse. Deutlich wird das zum Beispiel bei der Elektromobilität. Sie stellt die Stromnetze auf die Probe, wenn viele Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden oder wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Um dem entgegenzuwirken, sind erhebliche Investitionen notwendig. Die Elektrifizierung des Verkehrs birgt also Risiken, die bei der Gestaltung der Energiewende berücksichtigt werden müssen.

CO2-Emissionen im Gebäudesektor 2016

CO2-Emissionen im Gebäudebestand

Auch im Wärmemarkt müssen die CO2-Emissionen drastisch reduziert werden. Dabei reicht es nicht allein aus, alte Ölkessel durch moderne Gas-Heizungen zu ersetzen und eine größere Zahl von Gebäuden energetisch zu sanieren. Nötig ist auch, vermehrt Wärmepumpen einzusetzen, die Umweltwärme als Heizenergie nutzbar machen. Das geschieht meist mithilfe von Strom. Allerdings müssen Immobilien einige bauliche Anforderungen erfüllen, wenn sie mit Wärmepumpen beheizt werden sollen. Die Anlagen arbeiten nämlich nur dann effizient und wirtschaftlich, wenn die Gebäudehülle sehr dicht ist und die Wärme über Flächenheizungen statt über konventionelle Heizkörper abgegeben wird. Altbauten passen Wärmepumpen beispielsweise nur selten bzw. erfordern erhebliche, kostenintensive Umbauten. Sie werden daher auch hauptsächlich im Neubau eingesetzt.

Genauso fällt ins Gewicht, dass sehr große Kapazitäten für die Erzeugung, den Transport und die Speicherung von Strom geschaffen werden müssten, damit es die Haushalte auch an kalten Tagen gemütlich warm haben. Deutlich kostengünstiger ist laut einer Studie der Deutschen Energie-Agentur dena ein Technologiemix, bei dem auch noch im Jahr 2050 40 Prozent des Gebäudeenergiebedarfs mit Gas also mit Erdgas und Grünem Gas gedeckt werden. Auch auf diesem Wege lassen sich die CO2-Emissionen laut dena-Studie bis 2050 um 80 Prozent reduzieren – und dies zu erheblich geringeren Kosten.

Beheizungsstruktur nach Wohneinheiten 2050

Beheizungsstruktur 2050

Die vollständige Elektrifizierung des Wärmesektors hätte aber noch einen weiteren Nachteil: Sie schließt die Tür für innovative Technologien, die noch in der Entwicklung oder gerade erst auf den Markt gekommen sind. Dazu zählen zum Beispiel Brennstoffzellen-Heizungen, die äußerst effizient Strom und Wärme erzeugen. Zudem hätten neue, bislang noch nicht absehbare Technologien keine Chance mehr, erprobt zu werden.


Die wichtigsten Maßnahmen für die Dekarbonisierung